10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-08-27
Wer „Wärmepumpe Erfahrungen" sucht, findet Forenbeiträge, Anbieterwerbung und Sterne-Bewertungen – alles Einzelfälle ohne Messwerte. Aussagekräftiger sind Feldstudien, in denen Forscher über Jahre hinweg Wärmemengen- und Stromzähler in echten Häusern auslesen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE betreibt dieses Monitoring seit 2005 in mehreren Projekten; dazu kommen repräsentative Befragungen und die Absatzstatistik des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP). Dieser Artikel fasst zusammen, was diese Daten belegen – und was nicht.
| Projekt | Zeitraum | Gebäude | Ø JAZ Luft-Wasser | Ø JAZ Sole-Wasser |
|---|---|---|---|---|
| WP-Effizienz | 2005–2010 | Neubau, 77 ausgewertete Anlagen (18 Luft, 56 Sole, 3 Grundwasser) | 2,9 (später 3,0) | 3,9 (später 4,1) |
| WPsmart im Bestand | 2014–2019 | Bestand, 56 Gebäude, 41 ausgewertete Anlagen | 3,1 (Spanne 2,5–3,8) | 4,1 (Spanne 3,3–4,7) |
| WP-QS im Bestand | 2019–2024 | Bestand, 77 Anlagen (61 Luft, 16 Sole), Baujahre 1826–2001 | 3,4 (Spanne 2,6–4,9) | 4,3 (Spanne 3,6–5,4) |
Drei Erkenntnisse springen ins Auge. Erstens: Die Effizienz ist über die Jahre gestiegen – Luft-Wasser-Geräte im Altbau erreichen heute bessere Werte als Geräte im Neubau vor 15 Jahren. Zweitens: Die Spanne innerhalb einer Technik ist riesig – zwischen JAZ 2,6 und 4,9 liegen bei gleichem Strompreis rund 45 % Stromkosten. Drittens: Der CO₂-Vorteil ist messbar – im aktuellen Projekt lagen die Emissionen mit dem realen Strommix 2024 um 64 % unter einer Gasheizung (dynamisch bilanziert), im Projekt 2014–2019 je nach Anlage 27 bis 61 % darunter.
Die vielleicht wichtigste Aussage der Studie „WP-QS im Bestand" lautet wörtlich: Eine Korrelation zwischen Baujahr der Gebäude und Effizienz der Anlagen ließ sich nicht feststellen. Die untersuchten Häuser stammten aus den Jahren 1826 bis 2001, hatten 90 bis 370 m² beheizte Fläche, und nur rund die Hälfte der vor 1977 gebauten Häuser war fassadengedämmt – die Gebäude nach 1977 blieben überwiegend unsaniert.
Entscheidend war stattdessen die benötigte Vorlauftemperatur. Die Forscher stellten fest, dass ausreichend groß dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie eine Fußbodenheizung. Schon im Vorgängerprojekt lag die durchschnittliche maximale Vorlauftemperatur der Luft-Wasser-Anlagen bei knapp 44 °C – weit unter den 60 bis 70 °C, die viele Hausbesitzer als Voraussetzung für ihren Altbau vermuten. Der elektrische Heizstab, das Schreckgespenst vieler Interessenten, lieferte in den Luft-Wasser-Anlagen nur 1,3 % der elektrischen Arbeit, bei Sole-Anlagen praktisch null.
Die Studien liefern keine Ausfallstatistik im Sinne von „x Prozent Störungen pro Jahr". Das Fraunhofer ISE hält aber fest, dass die Anlagen im Bestand meist einwandfrei funktionierten und Störungen selten auftraten – eine Verbesserung gegenüber früheren Feldtests. Die eigentlichen Probleme sind leiser und teurer, weil sie die Effizienz drücken, ohne dass die Heizung ausfällt. Als Optimierungsfelder nennt das ISE:
Beim Thema Schall geben die Langzeitmessungen Entwarnung: Die Anlagen hielten im Feld die geltenden Vorgaben in der Regel ein. Seit 2026 verlangt die Förderung ohnehin Geräte, die die Ökodesign-Grenzwerte um mindestens 10 dB unterschreiten.
Aus den Messdaten lassen sich vier Muster ableiten, die in der Praxis regelmäßig für Enttäuschung sorgen:
Neben den Messwerten gibt es belastbare Zufriedenheitsdaten. Im Auftrag des BWP befragte forsa vom 17. bis 31. März 2025 794 Hausbesitzer in Bestandsgebäuden, die ihre Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt hatten (51 % zuvor Gas, 35 % Öl). Die Ergebnisse:
| Frage | Ergebnis |
|---|---|
| Zufriedenheit mit der Wärmepumpe als Ersatz für das alte System | 67 % sehr zufrieden, 29 % eher zufrieden, rund 2 % eher unzufrieden |
| Würden sich rückblickend erneut für eine Wärmepumpe entscheiden | 96 % |
| Weiterempfehlung | 79 % auf jeden Fall, 17 % wahrscheinlich |
| Zufrieden mit Funktion und Komfort | 96 % |
| Zufrieden mit dem Geräuschpegel | 92 % |
| Zufrieden mit den Betriebskosten | 84 % |
Zur Einordnung: Auftraggeber ist der Branchenverband, die Erhebung selbst ist repräsentativ angelegt. Die Zahlen decken sich mit dem Markt: Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut BWP rund 195.000 Wärmepumpen abgesetzt, 40 % mehr als im Vorjahreszeitraum und der zweithöchste Halbjahreswert nach 2023.
Die Feldstudien belegen: Die Wärmepumpe funktioniert im Altbau, wenn die Planung stimmt. Genau dafür gibt es unseren Wärmepumpen-Check, der dich mit geprüften Fachbetrieben zusammenbringt.