Geprüft am 02. Oktober 2026
8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02
Die Erfahrungen aus 20 Jahren Feldmessungen sind überwiegend positiv: Im Fraunhofer-Projekt „WP-QS im Bestand" erreichten 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern im Mittel Jahresarbeitszahlen von 3,4 (Luft-Wasser) und 4,3 (Erdreich) und verursachten 64 % weniger CO2 als Gasheizungen. In einer forsa-Befragung von 2026 würden sich 96 % der Besitzer wieder für eine Wärmepumpe entscheiden. Die typischen Probleme sind keine Ausfälle, sondern Planungs- und Einstellungsfehler, die Effizienz kosten.
Wer nach Erfahrungen mit Wärmepumpen sucht, findet Forenbeiträge, Anbieterwerbung und Sterne-Bewertungen, also Einzelfälle ohne Messwerte. Aussagekräftiger sind Feldstudien, in denen Forschende über Jahre Wärmemengen- und Stromzähler in bewohnten Häusern auslesen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE macht das seit 2005 in mehreren Projekten, dazu kommen eine Befragung von Besitzern und die Absatzzahlen der Branche. Dieser Artikel fasst zusammen, was die Daten belegen und was nicht.
Die Effizienz ist über die Jahre deutlich gestiegen: Luft-Wasser-Wärmepumpen kamen im ersten Projekt (2005 bis 2010, Neubauten mit Fußbodenheizung) auf eine mittlere Jahresarbeitszahl von 2,9, im aktuellen Projekt im Altbau auf 3,4. Erdreich-Wärmepumpen stiegen von 3,9 auf 4,3.
| Projekt | Zeitraum | Gebäude und Anlagen | Ø JAZ Luft-Wasser | Ø JAZ Erdreich |
|---|---|---|---|---|
| WP-Effizienz | 2005 bis 2010 | Neubauten, fast nur Fußbodenheizung, 18 Luft-, 56 Erdreich-, 3 Grundwasser-Anlagen | 2,9 (2. Phase: 3,0) | 3,9 (2. Phase: 4,1) |
| WPsmart im Bestand | 2014 bis 2019 | 56 Bestandsgebäude, 41 Anlagen einheitlich ausgewertet (29 Luft, 12 Erdreich) | 3,1 (Spanne 2,5 bis 3,8) | 4,1 (Spanne 3,3 bis 4,7) |
| WP-QS im Bestand | 2020 bis 2025 | 77 Anlagen (61 Luft, 16 Erdreich) in Häusern der Baujahre 1826 bis 2001 | 3,4 (Spanne 2,6 bis 4,9) | 4,3 (Spanne 3,6 bis 5,4) |
Drei Erkenntnisse springen ins Auge. Erstens arbeiten Luft-Wasser-Geräte im Altbau heute effizienter als Geräte im Neubau vor 15 Jahren. Zweitens ist die Spanne innerhalb einer Technik groß: Bei 18.480 kWh Wärmebedarf und 25 ct/kWh kostet der Strom mit Jahresarbeitszahl 2,6 rund 1.777 € im Jahr, mit 4,9 rund 943 €. Drittens ist der CO2-Vorteil messbar: Im aktuellen Projekt lagen die Emissionen 2024 um 64 % unter denen von Gasheizungen (berechnet mit dem Strommix je Viertelstunde, mit Jahreswerten 68 %), im Projekt 2014 bis 2019 je nach Anlage um 27 bis 61 %.
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Nein, laut Fraunhofer ISE nicht: Im Projekt „WP-QS im Bestand" ließ sich keine Korrelation zwischen Baujahr und Effizienz feststellen, obwohl die Häuser zwischen 1826 und 2001 gebaut wurden.
Die beheizten Flächen lagen zwischen 90 und 370 m², im Mittel bei 170 m². Von den Häusern, die vor 1977 gebaut wurden, war gut die Hälfte (51 %) an der Fassade nachträglich gedämmt, mehr als im Bundesdurchschnitt (30 %, Stand 2016), die Häuser ab 1977 waren bis auf eines unsaniert. Entscheidend war stattdessen die nötige Vorlauftemperatur: Ausreichend dimensionierte Heizkörper ließen sich im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie eine Fußbodenheizung.
Schon im Vorgängerprojekt lag die höchste nötige Vorlauftemperatur der Luft-Wasser-Anlagen im Mittel bei knapp 44 °C. Für die Jahresbilanz zählen laut Fraunhofer ISE vor allem die Tage knapp über null Grad, an denen am meisten geheizt wird, nicht die seltenen Extremtage. Der elektrische Heizstab lieferte bei den Luft-Wasser-Anlagen im aktuellen Projekt nur 1,3 % der elektrischen Arbeit, bei den Erdreich-Anlagen nahezu nichts, das Institut weist darauf hin, dass die Messjahre vergleichsweise mild waren. Im Vorgängerprojekt waren es 1,9 %. Praktische Tipps für ältere Häuser stehen im Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
Ausfälle sind selten: Schon im Projekt „WPsmart im Bestand" funktionierten die Geräte laut Fraunhofer ISE meist einwandfrei, Betriebsstörungen gab es kaum, häufiger sind Effizienzverluste durch zu große Geräte, häufiges Takten und unsaubere Hydraulik.
Eine Ausfallquote in Prozent liefern die Studien nicht. Das Institut berichtete aber schon 2020, dass offensichtliche Fehler bei Installation und Reglereinstellung deutlich seltener auftraten als in früheren Feldtests. Im aktuellen Projekt nennt es diese Optimierungsfelder:
In Gebäuden ab sechs Wohnungen schreibt das Gebäudemodernisierungsgesetz nach der ersten Heizperiode eine Betriebsprüfung der Wärmepumpe vor, inklusive Auswertung der Jahresarbeitszahl (§ 60a). Im Einfamilienhaus ist ein solcher Check freiwillig, aber lohnend.
Das hängt vor allem von Gerät und Aufstellort ab: Bei Fraunhofer-Langzeitmessungen an fünf zufällig gewählten Anlagen ging die Wärmepumpe an zwei Standorten im Umgebungslärm unter, an drei Standorten war sie nachts zeitweise messbar, etwa bei einem Reihenmittelhaus.
Ob dabei die Richtwerte der TA Lärm eingehalten wurden, lässt sich aus diesen Messungen ausdrücklich nicht ableiten, weil sie nicht richtlinienkonform ausgewertet wurden, das Fraunhofer ISE hat eine frühere Fassung seiner Pressemitteilung in diesem Punkt korrigiert. Einfluss haben laut Institut vor allem der Schallleistungspegel des Geräts, die Betriebsweise, der Aufstellort und Schallschutzmaßnahmen. Für deine Planung heißt das: Am Fenster des Nachbarn gelten nachts 35 dB(A) im reinen und 40 dB(A) im allgemeinen Wohngebiet, und die Förderrichtlinie verlangt Außengeräte, die die Ökodesign-Grenzwerte um mindestens 10 dB unterschreiten. Wie du den nötigen Abstand berechnest, zeigt der Ratgeber zur Lautstärke.
Sehr zufrieden: In einer forsa-Befragung im Auftrag des Bundesverbands Wärmepumpe (801 Hausbesitzer, Mai und Juni 2026) waren 70 % sehr und 24 % eher zufrieden, und 96 % würden sich wieder für eine Wärmepumpe entscheiden.
| Frage | Ergebnis |
|---|---|
| Zufriedenheit mit der eigenen Wärmepumpe | 70 % sehr, 24 % eher zufrieden, 4 % eher oder sehr unzufrieden |
| Erneut für eine Wärmepumpe entscheiden | 83 % auf jeden Fall, 13 % wahrscheinlich, 2 % eher nicht |
| Vorherige Heizung | 58 % Gas, 32 % Öl, 10 % andere |
| Wichtigste Gründe für die Wärmepumpe | Klima- und Umweltschutz 81 %, Förderung 73 %, Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen 67 %, Kostenersparnis 61 % |
Zur Einordnung: Auftraggeber ist der Branchenverband, die Befragung lief online unter Hausbesitzern, die ihre Heizung bereits gegen eine Wärmepumpe getauscht hatten. Die Ergebnisse bestätigen eine erste Befragung von 2025, laut BWP haben wirtschaftliche Gründe wie Kostenersparnis und Versorgungssicherheit seitdem an Gewicht gewonnen.
So viele wie lange nicht: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 194.500 Heizungs-Wärmepumpen verkauft, 40 % mehr als im Vorjahreszeitraum und 55 % aller verkauften Wärmeerzeuger (BDH).
Im zweiten Quartal 2026 lag der Wärmepumpen-Anteil laut Verbraucherzentrale ↗ sogar über 60 %. Gasheizungen kamen im Halbjahr auf 134.000 Geräte (plus 1 %), Ölheizungen auf 9.500 (minus 11 %). Schon 2025 war die Wärmepumpe mit 299.000 Geräten erstmals das meistverkaufte Heizsystem, inzwischen laufen in Deutschland knapp zwei Millionen. Auch die Förderzahlen zeigen den Trend: Von Januar bis August 2026 hat die KfW 272.026 Zuschüsse für Wärmepumpen zugesagt, 62 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Rund 81 % der neuen Wärmepumpen gehen laut Bundesverband Wärmepumpe in bestehende Gebäude.
Mit der gemessenen Jahresarbeitszahl von 3,4 kostet der Strom für ein typisches Einfamilienhaus rund 1.359 € im Jahr, die alte Gasheizung für dieselbe Wärme rund 2.707 €.
Die Annahmen entsprechen unserem Rechner: 140 m², Baujahr 1970 bis 1990, teilweise gedämmt, 18.480 kWh Wärme im Jahr, Wärmepumpentarif 25 ct/kWh, Gas 12,45 ct/kWh mit Nutzungsgrad 85 %.
| Szenario | Strom bzw. Gas pro Jahr | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Wärmepumpentarif, Jahresarbeitszahl 3,4 (Fraunhofer-Mittel Luft-Wasser) | 5.435 kWh | 1.359 € |
| Wärmepumpentarif, Jahresarbeitszahl 4,3 (Fraunhofer-Mittel Erdreich) | 4.298 kWh | 1.074 € |
| Haushaltsstrom 37 ct/kWh, Jahresarbeitszahl 3,4 | 5.435 kWh | 2.011 € |
| alte Gasheizung zum Vergleich | 21.741 kWh Gas | 2.707 € |
Die Messdaten zeigen Stromverbrauch, nicht Kosten: Ob du 1.359 € oder 2.011 € zahlst, entscheidet der Tarif. Auch der Heizspiegel 2026 sieht die Wärmepumpe vorn und erwartet für ein Einfamilienhaus mit 130 m² rund 1.300 € Heizkosten statt 1.930 € mit Gas. Deine eigenen Zahlen berechnest du mit dem Wärmepumpen-Rechner, wie sich die Heizkosten entwickeln, erklärt der Ratgeber Heizkosten 2026 und 2027.
Die fünf wichtigsten Lehren: Heizlast raumweise berechnen lassen, die wirklich nötige Vorlauftemperatur prüfen, Wärmemengen- und Stromzähler einbauen, nach dem ersten Winter nachjustieren und den Stromtarif vor dem Einbau klären.
Die Feldstudien belegen: Die Wärmepumpe funktioniert im Altbau, wenn die Planung stimmt. Über unseren Wärmepumpen-Check kannst du dafür kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region vergleichen, welche Zuschüsse du bekommst, zeigt die Förderübersicht. Wer den Antrag bis 31.01.2027 stellt, sichert sich noch 16 % Klimabonus auf bis zu 28.000 € förderfähige Kosten.
Häufige Fragen
Im Projekt „WP-QS im Bestand" waren es 77 Anlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern der Baujahre 1826 bis 2001, davon 61 Luft-Wasser- und 16 Erdreich-Wärmepumpen, 34 davon stammten aus dem Vorgängerprojekt. Das Vorgängerprojekt „WPsmart im Bestand" umfasste 56 Gebäude, von denen 41 Anlagen einheitlich ausgewertet wurden.
Die aktuelle Feldstudie ermittelte im Mittel 3,4 für Luft-Wasser- und 4,3 für Erdreich-Wärmepumpen, mit Spannen von 2,6 bis 4,9 bzw. 3,6 bis 5,4. Gut geplante Anlagen schaffen also auch im Bestand Werte über 4. Für die KfW-Förderung muss die Anlage rechnerisch auf mindestens 3,0 ausgelegt sein.
Nein. In den Fraunhofer-Messungen lieferte der Heizstab bei Luft-Wasser-Wärmepumpen nur 1,3 % (aktuelles Projekt, eher milde Jahre) bzw. 1,9 % (Vorgängerprojekt) der elektrischen Arbeit, bei Erdreich-Anlagen fast nichts. Nennenswerter Heizstabbetrieb trat vor allem bei falscher Einstellung, Defekten oder zur Legionellenvorsorge auf.
Ja. Laut Fraunhofer ISE lassen sich ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie Flächenheizungen, im Vorgängerprojekt lag die höchste nötige Vorlauftemperatur der Luft-Wasser-Anlagen im Mittel bei knapp 44 °C. Oft reicht es, einzelne zu kleine Heizkörper zu tauschen.
Die 77 vermessenen Anlagen verursachten 2024 im Schnitt 64 % weniger CO2 als Gasheizungen, berechnet mit dem Strommix je Viertelstunde, mit Jahreswerten gerechnet waren es 68 %. Im Projekt 2014 bis 2019 lag die Einsparung je nach Anlage bei 27 bis 61 %. Weil der Strommix sauberer wird, wächst der Vorteil weiter.
Laut Bundesverband Wärmepumpe laufen knapp zwei Millionen Wärmepumpen, Ende 2025 waren es rund 1,9 Millionen. 2025 wurden 299.000 neue verkauft, im ersten Halbjahr 2026 weitere 194.500 (plus 40 %). Rund 81 % gehen in bestehende Gebäude.
Andreas Mali
Gründer & Redaktion WärmepumpenGenie
Andreas Mali ist Gründer von WärmepumpenGenie und recherchiert Förderprogramme, Heizkosten und Technikdaten fortlaufend aus Primärquellen (KfW, BAFA, Verbraucherzentralen, Fraunhofer ISE). Mehr über uns und unsere Methodik
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