Wärmepumpe mit Heizkörpern: Welche passen? Der 55-Grad-Test

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10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02

Funktioniert eine Wärmepumpe mit normalen Heizkörpern?

Ja, in den meisten Bestandshäusern funktioniert eine Wärmepumpe mit den vorhandenen Heizkörpern, wenn alle Räume an kalten Tagen mit einer Vorlauftemperatur von höchstens rund 55 °C warm werden. Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in Bestandsgebäuden vermessen und festgestellt, dass ausreichend große Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen auskommen wie eine Fußbodenheizung. Wird ein Raum nicht warm genug, tauschst du gezielt diesen einen Heizkörper, und der Tausch zählt bei der KfW-Förderung zu den förderfähigen Kosten.

Entscheidend ist nicht, ob Heizkörper hängen, sondern wie warm das Heizwasser sein muss: Diese Vorlauftemperatur bestimmt, wie effizient die Wärmepumpe arbeitet. Die Verbraucherzentrale ↗ nennt als Faustregel: Ein Gebäude eignet sich für die Wärmepumpe, wenn die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 °C bleibt. Wie du die Temperatur richtig einstellst, erklärt unser Ratgeber zur Vorlauftemperatur der Wärmepumpe.

Viele Altbauten bringen dafür bessere Voraussetzungen mit als gedacht. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Heizkörper in Altbauten in der Regel zu groß bemessen sind und Sicherheitsreserven haben, mit denen sich die Vorlauftemperatur senken lässt. Wurden zusätzlich Fenster getauscht oder das Dach gedämmt, sinkt der Wärmebedarf, und dieselben Heizkörper reichen mit noch weniger Temperatur. Mehr zu den Voraussetzungen im Bestand findest du im Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.

Was zeigen Messungen mit Heizkörpern im Altbau?

Die Messungen zeigen, dass Wärmepumpen auch mit Heizkörpern effizient laufen, im Schnitt nur mit etwas höheren Temperaturen als mit Fußbodenheizung. Im Projekt „WP-QS im Bestand“ hat das Fraunhofer ISE von Mitte 2021 bis Ende 2024 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern gemessen. 83 % der Gebäude stammen aus der Zeit vor 1995, das älteste von 1826. In rund einem Viertel der Häuser heizen nur Heizkörper, in etwa der Hälfte Heizkörper und Fußbodenheizung gemeinsam.

Messwert (Fraunhofer ISE, Messjahr 2024)FlächenheizungHeizkörper
Mittlere Vorlauftemperatur, alle Wärmepumpen29 bis 35 °C bei 16 von 20 Anlagen, sonst bis 41 °C34 bis 45 °C bei 30 von 42 Anlagen, sonst bis 55 °C
Mittlere Heizkreistemperatur, Luft-Wasser, nur dieses System32,0 °C38,5 °C
Jahresarbeitszahl, Luft-Wasser, nur dieses Systemverteilt über fast die gesamte Bandbreitemindestens 3,0, Beispiele mit 3,7 und 4,0

Mischsysteme hat das Fraunhofer ISE dem System zugeordnet, das die Temperatur bestimmt. Zwei Beispiele aus dem Bericht machen Mut: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die ausschließlich Heizkörper versorgt, erreichte bei höchstens 53,7 °C Vorlauf eine Jahresarbeitszahl von 4,0. Das Haus wurde vor 1949 gebaut und später energetisch modernisiert, im Heizbetrieb lag die Temperatur im Mittel bei 35 °C. Eine zweite Anlage mit Heizkörpern kam bei maximal 49,9 °C auf 3,7. Der Durchschnitt aller Luft-Wasser-Wärmepumpen im Feld lag bei 3,4.

Die Forscher ziehen daraus einen klaren Schluss: Ein teurer und aufwendiger Umbau auf Flächenheizung ist nicht nötig, ein gezielter Tausch einzelner, zu klein bemessener Heizkörper aber wegen der großen Hebelwirkung zu prüfen.

Angebote vergleichen lohnt sich: Die Preise liegen weit auseinander

Die Verbraucherzentrale fand bei 160 Angeboten für Luft-Wasser-Wärmepumpen Preise von 21.099 € bis 54.168 €. Wer mehrere Angebote vergleicht, zahlt nicht drauf. Unser Partner vermittelt dir kostenlos Angebote geprüfter Fachbetriebe aus deiner Region.

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Wie finde ich heraus, ob meine Heizkörper groß genug sind?

Am einfachsten mit einem Praxistest an deiner jetzigen Heizung: Begrenze an kalten Wintertagen die Vorlauftemperatur auf 55 °C und prüfe, ob alle Räume warm werden. Diesen Test empfehlen die Energieberatung der Verbraucherzentrale und das Landesprogramm Zukunft Altbau aus Baden-Württemberg als erste Orientierung.

So gehst du beim 55-Grad-Test vor:

  1. Frost abwarten. Aussagekräftig ist der Test an kalten Tagen, am besten in einer Frostperiode über mehrere Tage. Bei milderem Wetter muss weniger reichen: Bei rund 0 °C Außentemperatur sollten laut Zukunft Altbau etwa 45 °C Vorlauf genügen.
  2. Vorlauftemperatur begrenzen. Stell am Regler des Kessels höchstens 55 °C ein, notfalls über die Heizkurve. Lässt dein Regler das nicht zu, hilft der Heizungsbetrieb.
  3. Nachtabsenkung ausschalten. Sonst sinkt die Solltemperatur nachts, und das Ergebnis ist verfälscht.
  4. Thermostate auf Stufe 3 stellen. Das entspricht etwa 20 °C Raumtemperatur.
  5. Beobachten und notieren. Je nach Bauweise reagiert das Haus nach einigen Stunden, massive Häuser brauchen länger. Länger als 24 bis 72 Stunden musst du laut Zukunft Altbau nicht warten.

Das Ergebnis liest du laut Verbraucherzentrale so: Werden alle Räume warm, ist eine Wärmepumpe problemlos möglich. Bleiben einzelne Räume kühl, reicht vermutlich der Ersatz der dortigen Heizkörper durch größere. Bleibt das ganze Haus zu kühl, ist ohne zusätzliche Dämmung kein wirtschaftlicher Wärmepumpenbetrieb zu erwarten. Auch dann gibt es Wege: Laut Zukunft Altbau reicht es oft, einzelne schlecht gedämmte Bauteile zu verbessern, und für den Übergang kommt eine Hochtemperatur-Wärmepumpe infrage.

Genauer rechnet der Fachbetrieb mit der raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, die für die KfW-Förderung ohnehin Pflicht ist: Sie zeigt für jeden Raum, ob der Heizkörper bei der geplanten Vorlauftemperatur genug Leistung bringt. Für eine eigene Überschlagsrechnung bietet der Bundesverband Wärmepumpe einen kostenlosen Heizkörperrechner ↗ an.

Welche Heizkörper eignen sich für eine Wärmepumpe?

Geeignet ist jeder Heizkörper, der bei niedriger Vorlauftemperatur genug Wärme an den Raum abgibt, und das hängt vor allem von seiner Fläche ab. Wer von typischen Kesseltemperaturen um 70/55 °C auf 55/40 °C absenken will, braucht ohne weitere Maßnahmen laut co2online ↗ grob die doppelte Heizkörperleistung. Beim Tausch kommen deshalb vor allem diese Bauarten infrage:

BauartEigenschaftTypischer Einsatz
Großer Flach- oder Plattenheizkörper, Typ 22 oder 33mehrere Heizplatten und Konvektorbleche, viel Leistung je Meter WandStandardtausch in Wohnräumen
Niedertemperatur- oder Wärmepumpenheizkörpergroße Oberfläche, oft mit Lamellen, laut co2online für etwa 35 bis 45 °C Vorlauf gedachtRäume mit wenig freier Wandfläche
Gebläsekonvektor (Heizkörper mit Lüfter)Lüfter verstärken die Wärmeabgabe, Stromanschluss nötigkritische Räume, auch zum Kühlen
Vorhandener Glieder- oder GussheizkörperLeistung hängt von Bauhöhe und Zahl der Glieder abbleibt, wenn der Test passt

Bei Plattenheizkörpern steht die erste Ziffer des Typs für die Zahl der Heizplatten, die zweite für die Lagen der Konvektorbleche. Ein Typ 33 gibt bei gleicher Größe also deutlich mehr Wärme ab als ein Typ 11. Gebläsekonvektoren geben laut Hersteller Viessmann zwei- bis dreimal so viel Wärme ab wie herkömmliche Heizflächen. Damit sie möglichst wenig zu hören sind, lassen sich die Lüfter bedarfsabhängig steuern, sie brauchen aber Strom und eine Steckdose am Heizkörper.

Muss ich alle Heizkörper tauschen oder nur einzelne?

Meist nur einzelne: Laut Energieberatung der Verbraucherzentrale sind Heizkörper in Altbauten überraschend oft überdimensioniert, sodass häufig nur der Austausch einzelner Heizkörper nötig ist. Den Ausschlag gibt der ungünstigste Raum. Weil die Wärmepumpe alle Heizkörper mit derselben Temperatur versorgt, bestimmt der Heizkörper mit der knappsten Leistung, wie hoch die Heizkurve für das ganze Haus stehen muss.

Typische Kandidaten sind:

Genau diese Räume zeigt dir der 55-Grad-Test: Wo es kühl bleibt, sitzt der Engpass. Das KfW-Infoblatt zur Förderung nennt den Austausch „kritischer“ Heizkörper zur Senkung der Systemtemperatur ausdrücklich. Nach dem Tausch gehört ein hydraulischer Abgleich dazu, damit jeder Heizkörper die richtige Wassermenge bekommt. Für die KfW-Förderung ist er nach Verfahren B Pflicht, Ablauf und Kosten erklärt der Ratgeber zum hydraulischen Abgleich.

Was kostet der Heizkörpertausch, und wird er gefördert?

Der Hersteller Bosch ↗ nennt für den Austausch im Schnitt etwa 500 € pro Heizkörper, und die Kosten zählen bei der KfW-Heizungsförderung als Umfeldmaßnahme zu den förderfähigen Kosten. Die genaue Summe hängt von Größe, Bauart und Anschlüssen ab. Kleine Standardmodelle gibt es laut Bosch ab 50 €, große Designheizkörper kosten bis zu 1.000 €.

Prüfe dein Angebot genau. Bei der Auswertung von 160 Wärmepumpen-Angeboten durch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz enthielten nur 23 % einen Heizkörpertausch. Lass dir die Heizkörper als eigene Position mit Stückpreis und Leistung ausweisen, sonst kommen sie später als Nachtrag. Worauf du sonst achten solltest, steht im Ratgeber Wärmepumpen-Angebot prüfen.

Bei der Förderung gilt:

Ein Termin zählt besonders: Stellst du den Antrag bis zum 31.01.2027, bekommst du mit Grundförderung und 16 % Klimabonus bis zu 12.880 €. Ab dem 01.02.2027 sinkt der Klimabonus auf 12 % und der Höchstbetrag auf 11.445 €. Alle Bausteine findest du auf unserer Seite zur Förderung.

Was spart die Wärmepumpe mit Heizkörpern im Jahr?

Im Standardfall unseres Rechners spart der Wechsel von Gas auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Heizkörpern rund 1.348 € im Jahr, beim Wechsel von Öl rund 2.628 €. Grundlage ist ein Einfamilienhaus mit 140 m², Baujahr 1970 bis 1990, teilweise gedämmt, mit 18.480 kWh Wärmebedarf. Für die Wärmepumpe setzen wir die Fraunhofer-Durchschnitts-JAZ von 3,4 an, gemessen in Häusern mit Heizkörpern und Fußbodenheizung, und 25 ct/kWh Wärmepumpenstrom.

HeizungAnnahmeKosten pro JahrErsparnis mit Wärmepumpe
Gasheizung12,45 ct/kWh (BDEW, 01.08.2026), Nutzungsgrad 85 %2.707 €1.348 €
Ölheizung172,6 ct/l (TECSON, 02.10.2026), Nutzungsgrad 80 %3.987 €2.628 €
WärmepumpeJAZ 3,4, 5.435 kWh Strom1.359 €Vergleichsbasis

Größere Heizkörper drücken die Kosten weiter. Bosch ↗ nennt als Faustregel bis zu 2,5 % weniger Stromverbrauch je Grad niedrigerer Vorlauftemperatur. Angenommen, zwei getauschte Heizkörper erlauben eine um 5 Grad flachere Heizkurve: Dann sinken die Stromkosten im Beispiel um bis zu 12,5 %, also um rund 170 € im Jahr. Bei etwa 500 € pro Heizkörper hat sich der Tausch damit in rund sechs Jahren bezahlt, mit Förderung entsprechend schneller.

Deine eigenen Zahlen rechnest du im Wärmepumpen-Rechner durch. Welche Heizkörper getauscht werden sollten, klärt der Fachbetrieb vor Ort, und im Wärmepumpen-Check kannst du kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region vergleichen. Das lohnt sich: Bei über 2.000 ausgewerteten Angeboten fand die Energieberatung der Verbraucherzentrale Preisunterschiede von bis zu 250 %.

Heizkörper oder Fußbodenheizung: Was ist mit der Wärmepumpe effizienter?

Eine Fußbodenheizung erlaubt meist die niedrigste Vorlauftemperatur, eine höhere Jahresarbeitszahl garantiert sie aber nicht. In der Fraunhofer-Studie verteilten sich die Wärmepumpen mit reiner Fußbodenheizung über fast die gesamte Bandbreite der Jahresarbeitszahlen, während die Anlagen mit reinen Heizkörpern nicht unter 3,0 lagen. Neben der Wärmeübergabe zählen auch Warmwasser, Hydraulik und Einstellung.

Eine Fußbodenheizung nachzurüsten lohnt sich deshalb vor allem, wenn ohnehin neue Böden anstehen oder du den Komfort möchtest. Methoden, Kosten und Förderung vergleicht der Ratgeber Fußbodenheizung nachrüsten.

Quellen und weiterführende Links

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Häufige Fragen

Muss ich bei einer Wärmepumpe die Thermostate voll aufdrehen?

Meist ist das sinnvoll, denn bei der Wärmepumpe regelt vor allem die Heizkurve die Raumtemperatur. Drosselst du einzelne Thermostate stark, muss die Heizkurve höher stehen, damit trotzdem genug Wärme ankommt, und das kostet Effizienz. Gut eingestellt stehen die Ventile in den Haupträumen weit offen, Schlafzimmer oder selten genutzte Räume kannst du trotzdem kühler halten.

Warum fühlen sich die Heizkörper mit Wärmepumpe nur lauwarm an?

Die Wärmepumpe arbeitet mit niedrigeren Temperaturen als ein Öl- oder Gaskessel. In der Fraunhofer-Feldstudie lag die mittlere Heizkreistemperatur bei Luft-Wasser-Wärmepumpen mit reinen Heizkörpern bei 38,5 °C. Entscheidend ist die Raumtemperatur: Wird es warm, ist alles in Ordnung. Bleibt ein Raum kalt, liegt es oft an Luft im System, einem fehlenden hydraulischen Abgleich oder einem zu kleinen Heizkörper.

Wie kalt muss es für den 55-Grad-Test draußen sein?

Am aussagekräftigsten ist der Test bei Frost, am besten in einer Frostperiode über mehrere Tage. Bei milderem Wetter gilt ein niedrigerer Maßstab: Laut Zukunft Altbau sollten bei rund 0 °C Außentemperatur etwa 45 °C Vorlauf genügen. Wichtig ist, die Nachtabsenkung für den Test auszuschalten.

Sind alte Gussheizkörper für die Wärmepumpe geeignet?

Oft ja, wenn sie groß genug sind, denn entscheidend ist die Wärmeabgabe bei niedriger Temperatur und nicht das Material. Viele alte Gliederheizkörper wurden großzügig bemessen. Ob sie reichen, zeigt der 55-Grad-Test oder die raumweise Heizlastberechnung, eine erste Schätzung liefert der Heizkörperrechner des Bundesverbands Wärmepumpe.

Funktioniert eine Wärmepumpe mit einer Einrohrheizung?

Grundsätzlich ja, aber mit mehr Aufwand. Bei der Einrohrheizung fließt das Wasser nacheinander durch die Heizkörper, sodass die letzten im Strang kühleres Wasser bekommen und die nötige Vorlauftemperatur steigt. Abhilfe schaffen eine Volumenstromregelung oder der Umbau auf ein Zweirohrsystem, beides zählt bei der KfW-Heizungsförderung zu den förderfähigen Maßnahmen.

Kann die Wärmepumpe über normale Heizkörper kühlen?

Kaum. Laut Verbraucherzentrale eignen sich klassische Heizkörper schlecht zur Raumkühlung, weil Temperaturunterschied und Fläche zu klein sind. Mit Gebläsekonvektoren klappt das Kühlen dagegen, weil der Lüfter die Raumluft durch den Wärmetauscher führt. Voraussetzung ist eine Wärmepumpe mit Kühlfunktion.

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