8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe liefert Vorlauftemperaturen von rund 70 °C und mehr und kann deshalb auch kleine Heizkörper in wenig sanierten Altbauten versorgen. Viele aktuelle Luft-Wasser-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R290 schaffen laut Hersteller bereits 70 bis 75 °C, ein Spezialgerät ist also oft gar nicht nötig. Bei hohen Temperaturen braucht sie mehr Strom, heizt im unsanierten Altbau aber selbst mit einer Jahresarbeitszahl von 2,6 deutlich günstiger als eine Ölheizung.
Eine feste Definition gibt es nicht. co2online ↗ spricht bei Vorlauftemperaturen von 60 bis 100 °C von Hochtemperatur-Wärmepumpen, andere Quellen erst ab 80 °C. Technisch erreichen die Geräte das über ein passendes Kältemittel, vor allem Propan (R290), angepasste Verdichter oder zwei hintereinander geschaltete Kältekreise. Seit Propan-Wärmepumpen mit nur einem Kältekreis rund 70 °C schaffen, ist ein zweiter Kältekreis laut Bosch nicht mehr zwingend nötig. Zweikreis-Geräte erreichen laut co2online im Einfamilienhaus bis zu 90 °C.
Gebraucht wird die hohe Temperatur nur, wenn dein Haus an kalten Tagen deutlich mehr als 55 °C Vorlauf braucht. Ob das so ist, zeigt der 55-Grad-Test an der alten Heizung: An kalten Tagen die Vorlauftemperatur auf 55 °C begrenzen und schauen, ob alle Räume warm werden. Die Anleitung steht im Ratgeber Wärmepumpe mit Heizkörpern.
Gängige Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Propan erreichen laut Herstellerangaben 70 bis 75 °C, teils auch noch bei −10 °C Außentemperatur. Drei Beispiele großer Hersteller (Stand der Herstellerseiten: 02.10.2026):
| Gerät | Kältemittel | Max. Vorlauftemperatur laut Hersteller | Heizleistung |
|---|---|---|---|
| Vaillant aroTHERM plus | R290 | 75 °C | 3 bis 12 kW |
| Bosch Compress 6800i AW | R290 | 75 °C, bei −10 °C noch bis 65 °C | 3,9 bis 11,6 kW |
| Viessmann Vitocal 250-A | R290 | 70 °C bei Außentemperaturen bis −10 °C | 2,6 bis 18,5 kW |
Die Auswahl ist keine Kaufempfehlung, weitere Hersteller nennen ähnliche Werte. Achte bei Angeboten darauf, welche Temperatur das Gerät bei der Norm-Außentemperatur deines Ortes tatsächlich liefert, nicht nur auf den Maximalwert. Ein Plus für R290: Ab dem 01.01.2028 fördert die KfW nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln. Was R290 von R32 unterscheidet, erklärt der Ratgeber Kältemittel R290 vs. R32.
Angebote vergleichen lohnt sich: Die Preise liegen weit auseinander
Die Verbraucherzentrale fand bei 160 Angeboten für Luft-Wasser-Wärmepumpen Preise von 21.099 € bis 54.168 €. Wer mehrere Angebote vergleicht, zahlt nicht drauf. Unser Partner vermittelt dir kostenlos Angebote geprüfter Fachbetriebe aus deiner Region.
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Spürbar weniger effizient als bei 35 oder 55 °C, weil der Verdichter einen größeren Temperaturabstand überwinden muss. Wie stark das ins Gewicht fällt, hängt davon ab, an wie vielen Tagen die hohe Temperatur wirklich nötig ist, denn die Regelung senkt den Vorlauf bei milderem Wetter ab.
Die Datenblätter zeigen den Trend über die genormten Saisonwerte (SCOP):
| Gerät | SCOP bei Auslegung auf 35 °C | SCOP bei Auslegung auf 55 °C |
|---|---|---|
| Vaillant aroTHERM plus | 4,83 bis 5,13 | 3,62 bis 3,86 |
| Bosch Compress 6800i AW (10 kW) | 4,77 | 3,64 |
Für 70 °C gibt es keinen genormten Saisonwert, die Kurve setzt sich aber fort. Auch die Praxis bestätigt den Zusammenhang: In der Feldstudie „WP-QS im Bestand“ des Fraunhofer ISE mussten die drei Luft-Wasser-Wärmepumpen mit der niedrigsten Jahresarbeitszahl von 2,6 im Heizbetrieb im Mittel 42 bis 46 °C bereitstellen. Die effizienteste Anlage mit einer JAZ von 4,9 kam mit 32 °C aus, der Durchschnitt lag bei 3,4.
Für die Förderung zählt die Planung: Die KfW verlangt, dass die Wärmepumpe rechnerisch mindestens eine Jahresarbeitszahl von 3,0 erreicht. Laut den technischen FAQ der KfW kann die Berechnung für Vorlauftemperaturen bis 60 °C mit dem JAZ-Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe erfolgen, monovalente Anlagen über 55 °C dürfen ersatzweise wie eine Anlage mit Heizstab gerechnet werden. Je höher die Auslegungstemperatur, desto knapper wird die 3,0. Mehr zur Kennzahl im Ratgeber Jahresarbeitszahl.
Sinnvoll ist sie, wenn dein Haus an kalten Tagen deutlich mehr als 55 °C Vorlauf braucht und sich das kurzfristig nicht ändern lässt. Typische Fälle sind:
Weniger sinnvoll ist sie, wenn nur einzelne Räume den 55-Grad-Test nicht bestehen. Dann ist der Tausch dieser Heizkörper meist günstiger und hält den Stromverbrauch dauerhaft niedrig. Und wer nach und nach dämmt, profitiert doppelt: Eine Wärmepumpe, die 70 °C kann, muss sie nicht nutzen. Sinkt der Wärmebedarf, stellt der Fachbetrieb die Heizkurve flacher, und dasselbe Gerät arbeitet effizienter.
co2online nennt für eine Hochtemperatur-Wärmepumpe im Einfamilienhaus etwa 35.000 bis 60.000 € und schätzt den Aufpreis gegenüber herkömmlichen Wärmepumpen auf rund 20 bis 25 %. Zum Vergleich: 160 Angebote für Luft-Wasser-Wärmepumpen lagen laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ↗ zwischen 21.099 und 54.168 €, im Schnitt bei 36.397 €. Weil viele R290-Standardgeräte schon 70 bis 75 °C schaffen, verschwimmt die Grenze, frag deshalb im Angebot gezielt nach der garantierten Vorlauftemperatur.
Die Förderung ist dieselbe wie für jede Wärmepumpe. So sieht der Eigenanteil an beiden Enden der co2online-Spanne aus, bei Antrag bis zum 31.01.2027:
| Fördersatz (förderfähig höchstens 28.000 €) | Zuschuss | Eigenanteil bei 35.000 € | Eigenanteil bei 60.000 € |
|---|---|---|---|
| 46 % (30 % Grundförderung und 16 % Klimabonus) | 12.880 € | 22.120 € | 47.120 € |
| 70 % (zusätzlich 30 % Einkommensbonus, gedeckelt) | 19.600 € | 15.400 € | 40.400 € |
| 80 % (zusätzlich 40 % Einkommensbonus) | 22.400 € | 12.600 € | 37.600 € |
Den Klimabonus und den Einkommensbonus bekommen nur Selbstnutzer, den Klimabonus etwa beim Tausch einer Ölheizung oder einer mindestens 20 Jahre alten Gasheizung. Der Einkommensbonus gilt bis 40.000 € (30 %) bzw. 30.000 € (40 %) zu versteuerndem Haushaltseinkommen, mit minderjährigem Kind jeweils 10.000 € mehr. Ab dem 01.02.2027 sinkt der Klimabonus auf 12 % und der Höchstzuschuss im Standardfall auf 11.445 €. Alle Details findest du auf unserer Seite zur Förderung.
Im unsanierten Altbau mit Ölheizung ja: Selbst mit einer Jahresarbeitszahl von 2,6 spart sie in unserem Beispiel rund 3.265 € Heizkosten im Jahr. Angenommen ist ein ungedämmter Altbau von vor 1970 mit 27.300 kWh Wärmebedarf. Heizöl kostet 172,6 ct/l (TECSON, 02.10.2026), bei 80 % Nutzungsgrad sind das 5.890 € im Jahr, Gas mit 12,45 ct/kWh (BDEW, 01.08.2026) und 85 % Nutzungsgrad kostet 3.999 €. Wärmepumpenstrom setzen wir mit 25 ct/kWh an.
| Jahresarbeitszahl | Strombedarf | Stromkosten | Ersparnis ggü. Öl | Ersparnis ggü. Gas |
|---|---|---|---|---|
| 2,6 (schwächste Luft-Wasser-Anlage im Fraunhofer-Feld) | 10.500 kWh | 2.625 € | 3.265 € | 1.374 € |
| 3,0 (Mindestwert der KfW-Auslegung) | 9.100 kWh | 2.275 € | 3.615 € | 1.724 € |
| 3,4 (Durchschnitt im Feld) | 8.029 kWh | 2.007 € | 3.883 € | 1.991 € |
Die Tabelle zeigt beides: Auch eine Wärmepumpe mit hohen Temperaturen spart gegenüber Öl und Gas viel Geld, und jede Verbesserung der Effizienz zahlt sich zusätzlich aus. Von JAZ 2,6 auf 3,4 sind es in diesem Haus 618 € im Jahr. Ab 2028 wechselt der CO2-Preis für Öl und Gas in den europäischen Emissionshandel ohne festen Deckel, steigende Preise würden den Abstand weiter vergrößern. Wie der Umstieg von Öl abläuft, steht im Ratgeber Ölheizung ersetzen, deine eigenen Zahlen rechnest du im Wärmepumpen-Rechner.
Meist ist eine Kombination am besten: erst die Räume finden, die die hohe Temperatur verursachen, dort Heizkörper tauschen oder gezielt dämmen, und die Wärmepumpe dann für die verbleibende Temperatur auslegen. Die drei Wege im Überblick:
Welcher Weg für dein Haus passt, klärt der Fachbetrieb mit der raumweisen Heizlastberechnung. Im Wärmepumpen-Check kannst du kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region vergleichen. Das lohnt sich doppelt, denn die Energieberatung der Verbraucherzentrale fand bei über 2.000 Angeboten Preisunterschiede von bis zu 250 %.
Häufige Fragen
Das hängt von der Jahresarbeitszahl ab, die sich über das ganze Jahr ergibt. In einem ungedämmten Altbau mit 27.300 kWh Wärmebedarf sind es bei einer JAZ von 2,6 rund 10.500 kWh Strom im Jahr, bei 3,0 rund 9.100 kWh. Mit Wärmepumpenstrom für 25 ct/kWh entspricht das 2.625 € bzw. 2.275 €, eine Ölheizung kostet in diesem Haus rund 5.890 €.
Ja, viele aktuelle Geräte. Laut Herstellerangaben erreichen die Vaillant aroTHERM plus und die Bosch Compress 6800i AW bis zu 75 °C, die Bosch bei −10 °C noch bis zu 65 °C. Die Viessmann Vitocal 250-A liefert 70 °C bei Außentemperaturen bis −10 °C.
Ja, sie wird über die KfW-Heizungsförderung 458 mit denselben Sätzen gefördert wie jede andere Wärmepumpe, von 30 % bis zu 70 % und mit 40 % Einkommensbonus bis zu 80 %. Voraussetzungen sind unter anderem ein Gerät von der Liste förderfähiger Wärmeerzeuger, eine rechnerische Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0, eine raumweise Heizlastberechnung und ein hydraulischer Abgleich.
Ja, und genau das macht die Wärmepumpe effizienter. Sinkt der Wärmebedarf durch Dämmung oder größere Heizkörper, stellt der Fachbetrieb die Heizkurve flacher. Hersteller nennen als Faustregel bis zu 2,5 % weniger Stromverbrauch pro Grad niedrigerer Vorlauftemperatur.
Oft ja, weil das Erdreich im Winter wärmer ist als die Außenluft und der Temperaturabstand kleiner ausfällt. In der Fraunhofer-Feldstudie erreichten erdgekoppelte Wärmepumpen im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 4,3, Luft-Wasser-Geräte 3,4. Dafür kostet Erdwärme laut co2online und Verbraucherzentrale rund 38.500 bis 56.000 € inklusive Bohrung.
Ja, aber nach § 559f BGB voll nur, wenn ein Fachunternehmer eine Jahresarbeitszahl von mindestens 2,5 nachweist oder eine Ausnahme greift, etwa wenn das Haus mit höchstens 55 °C Vorlauf bei Norm-Außentemperatur beheizt werden kann. Ohne Nachweis darf nur die Hälfte der Kosten in die Mieterhöhung einfließen. Bei hohen Vorlauftemperaturen solltest du den JAZ-Nachweis deshalb von Anfang an einplanen.