10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02
Am kältesten Tag sollte eine Wärmepumpe mit höchstens etwa 55 °C Vorlauftemperatur auskommen, mit Fußbodenheizung reichen meist 35 °C oder weniger. Je niedriger die Temperatur, desto weniger Strom braucht sie: Hersteller nennen als Faustregel bis zu 2,5 % weniger Stromverbrauch pro Grad. Einstellen lässt sich das über die Heizkurve, und zwar so niedrig, dass alle Räume gerade noch warm werden.
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das die Wärmepumpe zu den Heizkörpern oder in die Fußbodenheizung schickt. Je größer der Abstand zwischen Wärmequelle, etwa kalter Außenluft, und Vorlauf, desto mehr muss der Verdichter arbeiten. Deshalb ist die Vorlauftemperatur der wichtigste Hebel für die Jahresarbeitszahl. Das Fraunhofer ISE fand in seiner Feldstudie an 77 Wärmepumpen im Bestand nur einen klaren Effizienzeinfluss, nämlich die Heizkreistemperatur, und keinen Zusammenhang mit dem Baualter.
Wichtig ist der Zeitbezug: Die Vorlauftemperatur ist kein fester Wert. Eine witterungsgeführte Regelung hebt sie an, wenn es draußen kälter wird, und senkt sie in der Übergangszeit ab. Die 55 °C beziehen sich auf den kältesten Tag, im Mittel der Heizperiode liegt die Temperatur deutlich darunter.
Bei Fußbodenheizung sind 35 °C oder weniger üblich, bei Heizkörpern am kältesten Tag bis etwa 55 °C und im Mittel der Heizperiode meist 34 bis 45 °C. Das zeigen sowohl die Empfehlungen von Behörden und Verbraucherzentrale als auch Messwerte aus bewohnten Häusern.
| Heizsystem | Richtwert am kältesten Tag | Gemessen im Mittel (Fraunhofer ISE, 2024) |
|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 35 °C oder weniger (Umweltbundesamt) | meist 29 bis 35 °C (16 von 20 Anlagen) |
| Heizkörper | höchstens rund 55 °C (Verbraucherzentrale) | meist 34 bis 45 °C (30 von 42 Anlagen), sonst 45 bis 55 °C |
| Alter Kessel, kleine Heizkörper, unsaniert | oft rund 70 °C (Zukunft Altbau) | keine Feldwerte |
Bei milderem Wetter braucht das Haus deutlich weniger: Bei rund 0 °C Außentemperatur sollten laut dem Landesprogramm Zukunft Altbau etwa 45 °C genügen. Auch Stiftung Warentest ↗ rechnet in ihrem Wärmepumpentest mit diesen Szenarien, nämlich 55 °C bei −10 °C Außentemperatur für Heizkörper und 35 °C für Fußbodenheizung. Welche Heizkörper sich für niedrige Temperaturen eignen, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe mit Heizkörpern.
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Die Verbraucherzentrale fand bei 160 Angeboten für Luft-Wasser-Wärmepumpen Preise von 21.099 € bis 54.168 €. Wer mehrere Angebote vergleicht, zahlt nicht drauf. Unser Partner vermittelt dir kostenlos Angebote geprüfter Fachbetriebe aus deiner Region.
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Als Faustregel senkt jedes Grad weniger Vorlauftemperatur den Stromverbrauch um bis zu 2,5 %, so der Hersteller Bosch ↗. Viessmann ↗ nennt im Durchschnitt 2,5 % weniger Heizkosten pro Grad.
Wie groß der Effekt ist, zeigen die Datenblätter. Die Vaillant aroTHERM plus, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit dem Kältemittel R290, erreicht bei 7 °C Außentemperatur laut Hersteller folgende Leistungszahlen nach EN 14511:
| Vorlauftemperatur | Leistungszahl (COP) bei 7 °C außen | Strom für 10 kWh Wärme |
|---|---|---|
| 35 °C | 4,92 bis 5,39 | 1,9 bis 2,0 kWh |
| 45 °C | 3,54 bis 4,03 | 2,5 bis 2,8 kWh |
| 55 °C | 2,82 bis 3,19 | 3,1 bis 3,5 kWh |
Über die ganze Heizperiode fällt der Unterschied kleiner aus, weil hohe Temperaturen nur an kalten Tagen nötig sind. Der saisonale Wert (SCOP) liegt bei demselben Gerät zwischen 4,83 und 5,13 für eine Auslegung auf 35 °C und zwischen 3,62 und 3,86 für 55 °C. Für dieselbe Wärme braucht die Wärmepumpe bei 55-°C-Auslegung also rund ein Drittel mehr Strom.
Auch im Feld ist der Effekt messbar. In der Fraunhofer-Studie senkte eine um 2 Grad angehobene Heizkurve (bei Solarstromüberschuss) die Jahresarbeitszahl im Heizbetrieb um etwa 4 %. Nicht verwechseln solltest du das mit der Raumtemperatur: Ein Grad weniger im Wohnzimmer spart laut Verbraucherzentrale ↗ rund 6 % Heizenergie. Beide Hebel wirken zusammen.
Im Standardhaus unseres Rechners bringt eine um 5 Grad niedrigere Vorlauftemperatur bis zu rund 170 € weniger Stromkosten im Jahr. Angenommen ist ein Einfamilienhaus mit 140 m², Baujahr 1970 bis 1990, teilweise gedämmt, mit 18.480 kWh Wärmebedarf. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht die Fraunhofer-Durchschnitts-JAZ von 3,4 und bezieht Wärmepumpenstrom für 25 ct/kWh. Das ergibt 5.435 kWh Strom und 1.359 € im Jahr. Für die Absenkung setzen wir die Faustregel von bis zu 2,5 % pro Grad als Obergrenze an:
| Vorlauf niedriger um | Stromkosten pro Jahr | Ersparnis pro Jahr | Ersparnis in 20 Jahren |
|---|---|---|---|
| 0 Grad (Ausgangslage) | 1.359 € | 0 € | 0 € |
| 3 Grad | 1.257 € | 102 € | rund 2.040 € |
| 5 Grad | 1.189 € | 170 € | rund 3.400 € |
| 10 Grad | 1.019 € | 340 € | rund 6.800 € |
Gerechnet ist mit gleichbleibendem Strompreis. Mit 5 Grad weniger erreicht die Anlage rechnerisch eine JAZ von rund 3,9 statt 3,4. Zum Vergleich: Dieselbe Wärme aus einer Gasheizung kostet bei 12,45 ct/kWh (BDEW, 01.08.2026) und 85 % Nutzungsgrad 2.707 € im Jahr. Die Wärmepumpe liegt also schon ohne Feinschliff 1.348 € darunter, mit optimierter Heizkurve noch deutlicher. Deine eigenen Zahlen rechnest du im Wärmepumpen-Rechner durch, weitere Spartipps sammelt der Ratgeber Stromverbrauch senken.
Du senkst die Heizkurve in kleinen Schritten, bis der kälteste Raum gerade noch warm wird, und gibst jeder Änderung mindestens einen Tag Zeit. Die Heizkurve legt fest, welche Vorlauftemperatur die Regelung bei welcher Außentemperatur anfordert. Zwei Stellgrößen gibt es: die Neigung, die bestimmt, wie stark die Temperatur bei Kälte steigt, und das Niveau, das die ganze Kurve nach oben oder unten verschiebt. Die Zahlenwerte unterscheiden sich je nach Hersteller und sind nicht direkt vergleichbar.
So gehst du vor, angelehnt an die Anleitung von Viessmann ↗:
Die Einstellung der Heizkurve gehört bei der KfW-Heizungsförderung zu den förderfähigen Leistungen des Fachbetriebs. Bist du unsicher, lass sie bei der Inbetriebnahme oder Wartung optimieren.
Typische Ursachen sind eine zu hoch eingestellte Heizkurve, gedrosselte Thermostate, ein fehlender hydraulischer Abgleich und eine starke Nachtabsenkung. Die Fraunhofer-Messungen zeigen, dass hier viel Potenzial liegt: Bei rund der Hälfte der Anlagen mit Heizkörpern sank die Vorlauftemperatur nicht unter 35 °C, obwohl übliche Heizkurven das erwarten ließen. Bei einigen lag sie dauerhaft über 40 °C, hier sehen die Forscher Spielraum für eine bessere Einstellung.
Das findest du am einfachsten mit dem 55-Grad-Test an deiner jetzigen Heizung heraus: An kalten Tagen die Vorlauftemperatur auf höchstens 55 °C begrenzen, Nachtabsenkung ausschalten, Thermostate auf Stufe 3 stellen und beobachten, ob alle Räume warm werden. Bleiben nur einzelne Räume kühl, reicht laut Energieberatung der Verbraucherzentrale vermutlich der Tausch dieser Heizkörper.
Die Schritt-für-Schritt-Anleitung steht im Ratgeber Wärmepumpe mit Heizkörpern. Für die Planung berechnet der Fachbetrieb die raumweise Heizlast nach DIN EN 12831 und leitet daraus die nötige Vorlauftemperatur ab. Das Baujahr allein sagt wenig: In der Fraunhofer-Studie stammten 83 % der Häuser aus der Zeit vor 1995, und trotzdem lagen die gemessenen Temperaturen in allen Altersklassen auf ähnlichem Niveau.
Für Vermieter ist die 55-Grad-Grenze seit dem 29.07.2026 auch rechtlich wichtig: Nach § 559f BGB dürfen sie die Kosten einer neuen Wärmepumpe nur dann voll in eine Mieterhöhung einrechnen, wenn eine Jahresarbeitszahl von mindestens 2,5 nachgewiesen ist oder eine Ausnahme greift. Eine dieser Ausnahmen: Das Gebäude kann mit einer Vorlauftemperatur von höchstens 55 °C bei lokaler Norm-Außentemperatur beheizt werden.
Weitere Ausnahmen gelten für Gebäude, die nach 1996 errichtet wurden, die Wärmeschutzverordnung von 1994 (WSchV 95) erfüllen oder nach einer Sanierung den Anforderungen von § 38 GModG entsprechen. Den JAZ-Nachweis erbringt ein Fachunternehmer rechnerisch nach VDI 4650 Blatt 1, in der Regel vor der Inbetriebnahme. Fehlt der Nachweis, darf nur die Hälfte der Kosten zugrunde gelegt werden. Wer Förderung nutzt, kann nach § 559e BGB jährlich 10 % der Kosten abzüglich der Förderung umlegen, höchstens 0,50 € pro m² innerhalb von sechs Jahren. Eine niedrige Vorlauftemperatur zahlt sich für Vermieter also doppelt aus. Details erklärt der Ratgeber Wärmepumpe für Vermieter.
Ja, viele aktuelle Luft-Wasser-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R290 schaffen laut Hersteller 70 bis 75 °C, effizient ist das aber nur, wenn die hohe Temperatur auf wenige sehr kalte Tage beschränkt bleibt. Für die KfW-Förderung muss die Anlage so ausgelegt sein, dass rechnerisch eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0 erreicht wird. Laut den technischen FAQ der KfW kann diese Berechnung bis 60 °C Vorlauf mit dem JAZ-Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe erfolgen.
Wann sich ein Gerät für hohe Temperaturen lohnt und was es im Betrieb kostet, steht im Ratgeber Hochtemperatur-Wärmepumpe. Ob dein Haus mit 55 °C auskommt, klärt der Fachbetrieb mit der Heizlastberechnung. Im Wärmepumpen-Check kannst du kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region vergleichen. Bei Antrag bis zum 31.01.2027 gibt es mit Grundförderung und Klimabonus bis zu 12.880 € Zuschuss, danach höchstens 11.445 €. Alle Bausteine findest du auf unserer Seite zur Förderung.
Häufige Fragen
Meist bringt sie wenig. Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten mit gleichmäßig niedriger Temperatur, nach einer starken Absenkung muss sie morgens mit höherem Vorlauf nachheizen. Bei Fußbodenheizung reagiert der Boden zudem sehr träge. Wenn du absenken möchtest, dann nur leicht und probeweise mit Blick auf den Stromzähler.
Die Spreizung ist der Temperaturunterschied zwischen dem Heizwasser, das zu den Heizkörpern fließt, und dem Wasser, das zurückkommt. In der Fraunhofer-Feldstudie lag sie bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Heizbetrieb im Mittel bei 5,1 Kelvin, die Spanne reichte von 2,9 bis 9,1 Kelvin. Eine große Spreizung bei gleicher Raumwärme erfordert einen höheren Vorlauf und kostet Effizienz.
Häufige Gründe sind die Warmwasserbereitung, bei der die Wärmepumpe kurzzeitig heißer fährt, und ein Speicheraufschlag: Laut Fraunhofer ISE setzen Hersteller bei Systemen mit Heizungsspeicher mitunter einige Kelvin auf die Heizkurve auf. Auch ein falsch eingebundener Speicher kann den Vorlauf hochtreiben. Lass dir die Werte bei der Wartung erklären.
Ja, die Heizkurve lässt sich bei den meisten Wärmepumpen am Display oder per App ändern. Geh in kleinen Schritten vor, notiere jede Änderung und warte mindestens 12 bis 24 Stunden, bei Fußbodenheizung länger. In Mietwohnungen ist vorher eine Absprache mit dem Vermieter nötig.
In der Fraunhofer-Feldstudie lag die mittlere Temperatur für die Trinkwassererwärmung bei 47,6 °C. Jedes Grad mehr kostet Effizienz: 5 Grad höhere Solltemperatur senkten die Jahresarbeitszahl im Warmwasserbetrieb um etwa 6 %. Welche Temperatur für Hygiene und Komfort in deinem Haus nötig ist, legt der Fachbetrieb fest.
Eine feste Grenze gibt es nicht. Bis etwa 55 °C am kältesten Tag arbeitet sie effizient, darüber sinkt die Jahresarbeitszahl, und für die KfW-Förderung müssen rechnerisch mindestens 3,0 erreicht werden. Selbst mit einer JAZ von 2,6 kostet die Wärme im Standardhaus mit 18.480 kWh rund 1.777 € Strom im Jahr, eine Ölheizung dagegen rund 3.987 €.