10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-08-27
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) anstelle des GEG. Die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien und die Austauschpflichten sind gestrichen, eine neue Gas- oder Ölheizung darfst du wieder einbauen. Zwei Dinge solltest du dabei aber kennen: Für neue fossile Heizungen kommen ab 2029 Pflichtanteile an Biobrennstoffen, deren Preis heute niemand seriös beziffern kann. Und für Gasheizungen gibt es keine BEG-Förderung – für Wärmepumpen dagegen bis zu 70 bzw. 80 Prozent Zuschuss.
„Gasheizung oder Wärmepumpe?" ist damit keine Rechtsfrage mehr, sondern eine reine Rechenfrage. Genau die beantworten wir hier – mit verifizierten Preisen (Stand August 2026) und offen gelegten Annahmen, damit du die Rechnung auf dein Haus übertragen kannst.
| Position | Gas-Brennwertheizung | Luft-Wasser-Wärmepumpe |
|---|---|---|
| Anlage komplett inkl. Einbau | 9.000–15.500 € | 20.000–35.000 € |
| Gasanschluss (falls nicht vorhanden) | ca. 2.300–3.700 €, regional deutlich mehr | entfällt |
| BEG-Förderung (KfW 458) | 0 % | 30 % Grundförderung + 16 % Klimabonus (Austausch Öl/Gas/Kohle/Nachtspeicher) + Einkommensbonus 10/30/40 % |
| Förderdeckel | – | 70 % (80 % mit 40-%-Einkommensbonus), max. 22.400 € |
| Eigenanteil im Beispiel | 12.000 € | 15.120 € (46 %) bzw. 8.400 € (70 %) |
Das Beispiel rechnet mit einer Wärmepumpe für 28.000 € – exakt die förderfähigen Höchstkosten für die erste Wohneinheit. Beim Austausch einer alten Gasheizung bekommst du mindestens 46 % (30 + 16 %), also 12.880 € Zuschuss. Greift der Einkommensbonus, deckelt die KfW bei 70 %: Dann bleiben 8.400 € Eigenanteil – weniger, als eine neue Gasheizung kostet. Ohne Klimabonus (kein Austausch einer fossilen Heizung) sind es 30 %, also 19.600 € Eigenanteil.
Wichtig für die Planung: Ab Februar 2027 sinkt der Klimabonus um 4 Prozentpunkte je Halbjahr, die Höchstkosten um jeweils 750 €. Die Stufen im Detail findest du im Degressions-Fahrplan.
Laut BDEW-Gaspreisanalyse (Stand 24.08.2026) zahlen Haushalte im Einfamilienhaus 2026 im Schnitt 11,93 ct/kWh Gas – inklusive CO2-Preis, Netzentgelten und Steuern. Je nach Vertrag streut der Preis deutlich: Neukundentarife liegen spürbar darunter, die Grundversorgung darüber. Ein Brennwertkessel setzt davon rund 95 % in Wärme um, die Kilowattstunde Wärme kostet also etwa 12,6 ct.
Die Wärmepumpe rechnet anders: Strom ist teurer, wird aber mit der Jahresarbeitszahl (JAZ) vervielfacht. Die Feldmessungen des Fraunhofer ISE zeigen im Bestand eine mittlere JAZ von 3,4 für Luft-Wasser- und 4,3 für Sole-Wasser-Wärmepumpen; gut geplante Anlagen liegen über 4. Wärmepumpentarife kosten aktuell 20–26 ct/kWh, Haushaltsstrom im Schnitt rund 37 ct/kWh (BDEW 2026).
| Wärmeerzeuger | Energiepreis | Effizienz | Kosten je kWh Wärme |
|---|---|---|---|
| Gas-Brennwert | 11,93 ct/kWh | Nutzungsgrad ca. 95 % | ca. 12,6 ct |
| Luft-Wasser-WP, Wärmepumpentarif | 23 ct/kWh | JAZ 3,4 (Feldwert) | ca. 6,8 ct |
| Luft-Wasser-WP, gut geplant | 23 ct/kWh | JAZ 4,0 | ca. 5,8 ct |
| Sole-Wasser-WP | 23 ct/kWh | JAZ 4,3 (Feldwert) | ca. 5,3 ct |
| Luft-Wasser-WP, Haushaltsstrom | 37 ct/kWh | JAZ 3,4 | ca. 10,9 ct |
Die Faustregel daraus: Mit Wärmepumpentarif ist die Wärmepumpe ab einer JAZ von etwa 1,8 günstiger als Gas, mit teurem Haushaltsstrom ab etwa 2,9. Beides unterbieten Bestandsanlagen im Feld deutlich. Dazu kommen die Nebenkosten: Für die Gasheizung fallen Wartung (grob 100–200 €) plus Schornsteinfeger (rund 50 €) an, bei der Wärmepumpe entfällt der Schornsteinfeger.
Der nationale CO2-Preis (BEHG) bewegt sich 2026 in einem Korridor von 55–65 € je Tonne. Für 2027 soll derselbe Korridor gelten – so hat es der Koalitionsausschuss im Mai 2026 vereinbart und das Kabinett im August 2026 beschlossen; das Gesetzgebungsverfahren läuft noch. Der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) wurde von 2027 auf 2028 verschoben. Ab dann bildet sich der Preis am Markt – eine feste Obergrenze wie im nationalen System gibt es dann nicht mehr.
Was das in Euro heißt: Erdgas verursacht rund 0,2 kg CO2 je Kilowattstunde. Bei 65 €/t sind das etwa 1,3 ct/kWh netto – bei 21.000 kWh Gasverbrauch rund 270 € im Jahr, die heute bereits im Gaspreis stecken. Steigt der Preis im ETS 2 auf 100 €/t, wären es etwa 420 €, bei 150 €/t rund 630 € jährlich. Das sind Szenarien, keine Prognosen – aber die Richtung ist politisch festgelegt.
Ein zweiter Kostentreiber wird oft übersehen: die Netzentgelte. Die Bundesnetzagentur erlaubt Gasnetzbetreibern mit der Festlegung KANU 2.0 (September 2024), ihre Netze bis 2045 abzuschreiben, in Ausnahmen bis 2035 – ausdrücklich, weil „ein erheblicher Teil des Erdgasnetzes über das Jahr 2045 hinaus nicht mehr genutzt werden" wird. Je weniger Kunden am Netz bleiben, desto mehr Netzkosten entfallen auf jeden Einzelnen.
Annahmen für das Beispielhaus: 20.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr (Heizung und Warmwasser), Gaspreis 12 ct/kWh, Brennwert-Nutzungsgrad 95 % (21.000 kWh Gas), Wärmepumpentarif 23 ct/kWh, JAZ 3,4 (5.900 kWh Strom). Wartung und Schornsteinfeger: 200 €/Jahr bei Gas, 150 €/Jahr bei der Wärmepumpe.
| Position | Gas-Brennwert | Wärmepumpe (46 %) | Wärmepumpe (70 %) | Wärmepumpe ohne Förderung |
|---|---|---|---|---|
| Anschaffung | 12.000 € | 28.000 € | 28.000 € | 28.000 € |
| Förderung | 0 € | −12.880 € | −19.600 € | 0 € |
| Eigenanteil | 12.000 € | 15.120 € | 8.400 € | 28.000 € |
| Betriebskosten pro Jahr | 2.720 € | 1.510 € | 1.510 € | 1.510 € |
| Betrieb 15 Jahre (Preise konstant) | 40.800 € | 22.650 € | 22.650 € | 22.650 € |
| Vollkosten 15 Jahre | 52.800 € | 37.770 € | 31.050 € | 50.650 € |
| Szenario: Gas +3 %/Jahr, Strom +2 %/Jahr | 62.590 € | 41.230 € | 34.510 € | 54.110 € |
Das Ergebnis ist eindeutig: Mit Förderung liegt die Wärmepumpe über 15 Jahre 15.000–22.000 € vorn. Selbst ganz ohne Zuschuss ist sie bei konstanten Preisen leicht günstiger – und jede Preissteigerung bei Gas, CO2 oder Netzentgelten vergrößert den Abstand. Erreicht deine Anlage eine JAZ von 4, sinken die Betriebskosten auf rund 1.300 € im Jahr und der Vorsprung wächst um weitere 3.000 €. Umgekehrt gilt: Mit Haushaltsstrom statt Wärmepumpentarif schrumpft der Betriebskostenvorteil auf rund 400 € pro Jahr – der eigene Zähler ist also Pflicht.
| Gas kann vertretbar sein, wenn … | Gas ist die schlechtere Wahl, wenn … |
|---|---|
| die kommunale Wärmeplanung in wenigen Jahren ein Wärmenetz für dein Quartier vorsieht (dann ist der Netzanschluss meist die bessere Brücke – er wird ebenfalls gefördert) | du eine alte Öl- oder Gasheizung austauschst und den 16-%-Klimabonus mitnimmst |
| das Haus kurzfristig abgerissen, verkauft oder kernsaniert wird | dein Haus Fußbodenheizung oder eine sanierte Hülle hat (Vorlauf unter 50 °C) |
| die Heizung dauerhaft über 65 °C Vorlauf braucht, keine Sanierung möglich ist und kein Aufstellplatz für ein Außengerät existiert | eine PV-Anlage vorhanden oder geplant ist |
| trotz Förderung kein Eigenkapital für den Eigenanteil aufzubringen ist | du länger als zehn Jahre im Haus bleibst |
| – | das Objekt vermietet ist (Mieterschutzregeln des GModG ab 2028 für neue fossile Heizungen) |