9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-08-27
Das Treibhauspotenzial (GWP) gibt an, wie stark ein Kilogramm eines Gases das Klima im Vergleich zu einem Kilogramm CO₂ über 100 Jahre erwärmt. Für Wärmepumpen sind drei Kältemittel relevant – und die Unterschiede sind gewaltig:
| Kältemittel | Typ | GWP (IPCC AR4) | Sicherheitsklasse | Status |
|---|---|---|---|---|
| R290 (Propan) | natürlich | 3 (F-Gas-Verordnung: 0,02) | A3 – brennbar | Zukunftsstandard, in allen aktuellen Neuentwicklungen |
| R32 | HFKW (F-Gas) | 675 | A2L – schwer entflammbar | Auslaufmodell, Verkaufsverbote ab 2027 |
| R410A | HFKW-Gemisch | 2.088 | A1 – nicht brennbar | Alt-Kältemittel, in Neugeräten praktisch verschwunden |
| R454C | HFO/HFKW-Gemisch | ca. 146 | A2L | Synthetische Übergangslösung unter der 150er-Grenze |
Die Zahlen stammen aus Anhang I der EU-F-Gas-Verordnung (basierend auf dem IPCC-Bericht AR4). Ein Kilogramm R32 entspricht also 675 kg CO₂ – bei einer typischen Füllmenge von ein bis zwei Kilogramm ist das der Ausstoß einiger tausend Autokilometer, sollte das Kältemittel je entweichen. Propan liegt im selben Vergleich bei einigen Metern.
Die EU hat mit der Verordnung (EU) 2024/573 einen harten Ausstieg aus fluorierten Kältemitteln beschlossen. Anhang IV verbietet das Inverkehrbringen neuer Geräte gestaffelt nach Bauart, Leistung und GWP:
| Gerätetyp | Verbot ab | Betrifft |
|---|---|---|
| Monoblock-Wärmepumpen bis 12 kW | 1. Januar 2027 | F-Gase mit GWP ≥ 150 (also R32, R410A) |
| Monoblock-Wärmepumpen über 12 bis 50 kW | 1. Januar 2027 | F-Gase mit GWP ≥ 150 |
| Luft-Wasser-Splitsysteme bis 12 kW | 1. Januar 2027 | F-Gase mit GWP ≥ 150 |
| Luft-Luft-Splitsysteme bis 12 kW | 1. Januar 2029 | F-Gase mit GWP ≥ 150 |
| Splitsysteme über 12 kW | 1. Januar 2029 / 2033 | GWP ≥ 750 / GWP ≥ 150 |
| Monoblock-Wärmepumpen bis 12 kW | 1. Januar 2032 | alle F-Gase |
| Splitsysteme bis 12 kW | 1. Januar 2035 | alle F-Gase |
Für den typischen Einfamilienhaus-Fall – Luft-Wasser-Wärmepumpe bis 12 kW, ob Monoblock oder Split – bedeutet das: Ab 2027 dürfen keine neuen R32-Geräte mehr auf den Markt. Eine Ausnahme gilt nur, wenn Sicherheitsanforderungen am Aufstellort kein Kältemittel unter GWP 150 zulassen; dann liegt die Grenze bei 750. Bereits installierte Anlagen sind nicht betroffen: Betrieb, Wartung und Reparatur bleiben erlaubt. Allerdings verknappt die Verordnung die F-Gas-Mengen über Quoten Schritt für Schritt, sodass Nachfüllungen teurer werden dürften.
Die deutsche Förderung zieht nach. Die BEG-Richtlinie vom 17.07.2026 empfiehlt Wärmepumpen mit einem Kältemittel-GWP unter 150 und legt fest: Ab dem 1. Januar 2028 werden nur noch solche Geräte gefördert. Der bisherige Effizienzbonus von 5 % für natürliche Kältemittel ist seit dem 21.07.2026 gestrichen – R290 ist damit nicht mehr Bonus, sondern schlicht Standard.
Für 2026 und 2027 bleibt eine R32-Wärmepumpe zwar noch förderfähig, sofern sie die übrigen Anforderungen erfüllt (Jahresarbeitszahl ≥ 3,0, Schallgrenzwerte, EEBUS-Schnittstelle, Smart-Meter-Bestellung). Wer aber den Zuschuss von aktuell bis zu 46 % ohne Einkommensbonus (Grundförderung 30 % plus Klimageschwindigkeitsbonus 16 %) nutzen will, sollte den Blick nach vorn richten: Das Gerät läuft 15 bis 20 Jahre – länger als jedes Kältemittel-Verbot braucht, um wirksam zu werden.
Propan ist brennbar (Sicherheitsklasse A3) und schwerer als Luft. Deshalb schreiben Hersteller und Normen (DIN EN 378, VDI 4645) einen Schutzbereich um die Außeneinheit vor, in dem sich kein Kältemittel sammeln und keine Zündquelle befinden darf. Die verbreitete Faustregel: mindestens 1 Meter Abstand zu Fenstern, Türen, Lüftungsöffnungen, Lichtschächten, Kellerabgängen und Abwasserkanälen; die exakten Maße legt die Aufstellanleitung des jeweiligen Geräts fest. Zusätzlich gilt: keine Aufstellung in Mulden oder unter Gebäudeöffnungen, in die Gas absinken könnte.
Genau hier spielt der Monoblock seine Stärke aus: Der komplette Kältekreis sitzt in der Außeneinheit, ins Haus führen nur Wasserleitungen. Die Füllmenge ist gering, im Gebäude befindet sich kein Propan. Split-Geräte mit R290 sind möglich, verlangen aber ein aufwendigeres Sicherheitskonzept für die Innenleitungen, weshalb die meisten Hersteller ihre R290-Serien als Monoblock bauen. Für Innenaufstellungen gelten weitere Vorgaben zu Raumgröße und Lüftung.
Unterm Strich ist R290 ein alltägliches Gas – in jeder Gasflasche für den Grill steckt ein Vielfaches der Füllmenge einer Wärmepumpe. Entscheidend ist eine fachgerechte Aufstellung, die der Installateur ohnehin dokumentieren muss.
Der Vorteil von Propan ist nicht nur ökologisch. Thermodynamisch erlaubt R290 hohe Vorlauftemperaturen bis etwa 75 °C, während R32-Geräte je nach Modell meist bei 55 bis 65 °C an ihre Grenze kommen. Für den Altbau mit Heizkörpern heißt das: Auch an den kältesten Tagen liefert die Wärmepumpe ausreichend Temperatur, und die Warmwasserbereitung inklusive Legionellenschutz gelingt ohne Heizstab.
Wichtig zur Einordnung: Hohe Vorlauftemperaturen zu können ist gut, sie dauerhaft zu brauchen ist teuer. Die Fraunhofer-Feldmessungen zeigen unabhängig vom Kältemittel, dass die Jahresarbeitszahl vor allem an der nötigen Vorlauftemperatur hängt – gut ausgelegte Heizkörper erreichen ähnlich niedrige Temperaturen wie eine Fußbodenheizung. Die Stiftung Warentest hat in Ausgabe 10/2025 fünf Luft-Wasser-Wärmepumpen geprüft, allesamt mit R290: Bei 55 °C Vorlauf für Heizkörper und 35 °C für Fußbodenheizung lagen zwischen bestem und schlechtestem Gerät mehrere hundert Euro Stromkosten pro Jahr – die Gerätewahl bleibt also wichtig, das Kältemittel allein garantiert keine Effizienz.
| Kriterium | R290 (Propan) | R32 |
|---|---|---|
| Klimawirkung | GWP 3 | GWP 675 |
| Verkaufsverbot Neugeräte ≤ 12 kW | keines | ab 1.1.2027 |
| BEG-Förderung ab 2028 | ja | nein |
| Max. Vorlauftemperatur | bis ca. 75 °C | meist 55–65 °C |
| Aufstellung | Schutzbereich ca. 1 m | weniger Auflagen |
| Kältemittel-Verfügbarkeit langfristig | unbegrenzt, günstig | Quotenregelung, tendenziell teurer |
| Gerätepreis 2026 | vergleichbar, breite Auswahl | teils Abverkaufspreise |
Für einen Neukauf 2026 gibt es kaum noch ein Argument für R32: Die Auswahl an R290-Geräten ist groß, die Testsieger der letzten Jahre arbeiten damit, und nur R290 ist förder- und wartungssicher über die gesamte Laufzeit. Ein R32-Gerät kann sich ausnahmsweise lohnen, wenn der Aufstellort keinen Schutzbereich zulässt – etwa in sehr enger Reihenhausbebauung – oder ein deutliches Abverkaufsangebot noch 2026 mit voller Förderung installiert wird. Dann solltest du die künftig teureren Wartungen einkalkulieren.
Ein Hinweis zur Förderung ab 2027: Laut Richtlinie soll die Grundförderung für Wärmepumpen voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2027 in 15 % Grundförderung plus 15 % Wertschöpfungsbonus für Geräte mit Ursprung in der EU aufgeteilt werden – die Details dazu sind noch nicht veröffentlicht. Wer 2026 bestellt, umgeht diese Unsicherheit.
R290 ist 2026 die einzige zukunftssichere Wahl: GWP 3 statt 675, keine Verkaufsverbote, Förderung auch nach 2028 und Vorlauftemperaturen, die im Altbau Reserven schaffen. Der Schutzbereich um die Außeneinheit ist Planungsarbeit, kein Hindernis. Ob dein Aufstellort dafür geeignet ist und welche Geräte in Frage kommen, klärt unser Wärmepumpen-Check.