7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-09-24
Als Hauptheizung eines dauerhaft bewohnten Hauses ist die Wärmepumpe fast immer überlegen. Der Grund ist Physik: Eine Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, eine Wärmepumpe drei bis vier. Bei 14.400 Kilowattstunden Wärmebedarf kostet Infrarot rund 5.200 € im Jahr, die Wärmepumpe etwa 1.130 €. Infrarot punktet dafür bei der Anschaffung: ein paar hundert Euro je Raum statt 21.000 bis 54.000 € fürs ganze Haus. Deshalb gibt es klar abgegrenzte Fälle, in denen Infrarot die richtige Wahl ist – sie liegen alle dort, wo wenig geheizt wird.
Infrarotheizungen werden oft mit dem Argument verkauft, Strahlungswärme fühle sich bei niedrigerer Lufttemperatur angenehm an und spare dadurch Energie. An dem Effekt ist etwas dran – er bewegt sich aber im Bereich von ein bis zwei Grad empfundener Temperatur und ändert nichts am Grundverhältnis:
| Aus 1 kWh Strom wird | |
|---|---|
| Infrarotheizung | 1 kWh Wärme |
| Wärmepumpe (JAZ 3,4) | 3,4 kWh Wärme |
Auf ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern und 14.400 Kilowattstunden Wärmebedarf gerechnet:
Der Unterschied von über 4.000 € jährlich ist so groß, dass die günstigere Anschaffung ihn innerhalb weniger Jahre aufzehrt.
Dazu kommt die Förderung: Für Infrarotheizungen gibt es keine. Die Wärmepumpe wird mit mindestens 30 % bezuschusst.
Es gibt sie, die guten Anwendungsfälle – und sie haben alle dieselbe Eigenschaft: wenig Betriebsstunden.
Selten genutzte Räume. Gästezimmer, Hobbyraum, Werkstatt, Dachboden. Wo an zwanzig Tagen im Jahr geheizt wird, spielt die Effizienz keine Rolle, die Investition dagegen sehr.
Ferienhäuser und Wochenendhäuser. Kein Frostschutzproblem, keine Wartung, kein Wasser in den Leitungen. Die Anlage steht elf Monate im Jahr still und kostet dabei nichts.
Bäder als Zusatzheizung. Ein Infrarotpaneel oder Handtuchheizkörper, der morgens für zwanzig Minuten läuft, ist komfortabel und verbraucht kaum etwas. Als Ergänzung zur Hauptheizung sinnvoll.
Passivhäuser und Neubauten mit sehr kleiner Heizlast. Liegt der Wärmebedarf unter etwa 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr, kann eine Wärmepumpe wirtschaftlich zu groß dimensioniert sein. Bei 100 Quadratmetern sind das 1.500 Kilowattstunden Wärme – rund 540 € Stromkosten im Jahr. Dafür lohnt keine Wärmepumpe.
Denkmalschutz oder fehlende Leitungswege. Wo keine Rohre verlegt werden dürfen oder können, ist Infrarot manchmal die einzige Option. Hier lohnt vorher der Blick auf Luft-Luft-Wärmepumpen, die ebenfalls ohne Wasserverteilung auskommen.
Genau diese Kombination wird häufig verkauft und ist fast immer ein Fehlgriff. Ein unsanierter Altbau hat einen hohen Wärmebedarf, und jede Kilowattstunde davon wird mit dem vollen Strompreis bezahlt. Die Rechnung oben zeigt, wohin das führt.
Wer bereits in dieser Lage steckt, findet die Alternativen im Ratgeber Elektroheizung ersetzen – mit dem wichtigen Hinweis, dass für Elektro-Direktheizungen anders als für Nachtspeicher kein Klimageschwindigkeits-Bonus gezahlt wird.
Das Argument lautet: Mit eigener Solaranlage wird der Strom günstig, dann rechnet sich Infrarot. Der Haken liegt in der Jahreszeit. Geheizt wird von Oktober bis April, Solarstrom fällt von März bis September an. Im Dezember liefert eine PV-Anlage in Deutschland rund ein Zehntel ihres Sommerertrags – gerade dann, wenn die Heizung am meisten braucht.
Dieselbe PV-Anlage entfaltet ihre Wirkung mit einer Wärmepumpe drei- bis vierfach, weil aus jeder Kilowattstunde mehr Wärme wird. Wer Solarstrom fürs Heizen nutzen will, kombiniert ihn deshalb sinnvollerweise mit einer Wärmepumpe – siehe Wärmepumpe und Photovoltaik.
Fazit: Infrarotheizungen sind gute Zusatzgeräte und schlechte Hauptheizungen. Überall dort, wo viel und dauerhaft geheizt wird, verliert Infrarot gegen die Wärmepumpe um den Faktor drei bis vier – jedes Jahr aufs Neue. In selten genutzten Räumen, Ferienhäusern und als Badzusatz ist es dagegen die pragmatische Lösung.
Häufige Fragen
Nein. Eine Infrarotheizung wandelt eine Kilowattstunde Strom in eine Kilowattstunde Wärme um, eine Wärmepumpe erreicht im Feld das 3,4-Fache. Bei 14.400 Kilowattstunden Wärmebedarf kostet Infrarot rund 5.200 Euro im Jahr, die Wärmepumpe etwa 1.060 Euro. Der oft genannte Vorteil der Strahlungswärme bewegt sich im Bereich von ein bis zwei Grad empfundener Temperatur.
Überall dort, wo wenig geheizt wird: in selten genutzten Räumen wie Gästezimmer oder Werkstatt, in Ferien- und Wochenendhäusern, als Zusatzheizung im Bad und in Passivhäusern mit sehr kleiner Heizlast unter etwa 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr.
Nein. Elektro-Direktheizungen einschließlich Infrarotpaneelen sind nicht förderfähig. Eine Wärmepumpe erhält dagegen mindestens 30 Prozent Grundförderung, bei Selbstnutzung und niedrigem Einkommen bis zu 70 oder 80 Prozent.
Nur eingeschränkt. Geheizt wird von Oktober bis April, Solarstrom fällt von März bis September an. Im Dezember liefert eine PV-Anlage etwa ein Zehntel ihres Sommerertrags. Dieselbe Anlage entfaltet mit einer Wärmepumpe die drei- bis vierfache Wirkung, weil aus jeder Kilowattstunde mehr Wärme wird.
Technisch ja, wirtschaftlich fast nie. Ein unsanierter Altbau hat einen hohen Wärmebedarf, und jede Kilowattstunde wird mit dem vollen Strompreis bezahlt. Die günstige Anschaffung ist durch die Betriebskosten in wenigen Jahren aufgezehrt.