9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02
Der Heizstab schaltet sich nur in Sonderfällen ein: an sehr kalten Tagen unterhalb des Bivalenzpunkts, für den Legionellenschutz im Warmwasserspeicher, bei der Estrichtrocknung im Neubau und als Notheizung, wenn die Wärmepumpe gestört ist. Im Normalbetrieb bleibt er fast immer aus; in der Feldmessung des Fraunhofer ISE entfielen auf ihn bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel nur 1,3 % des Stromverbrauchs. Läuft er häufiger, steckt meist eine falsche Einstellung oder ein Defekt dahinter.
Der Heizstab ist ein elektrischer Heizwiderstand im Heizungswasser oder im Warmwasserspeicher. Er macht aus 1 kWh Strom genau 1 kWh Wärme, die Wärmepumpe im Jahresmittel 3,4 kWh. Deshalb ist er als Reserve gedacht: 84 % der Anlagen im Fraunhofer-Feldtest hatten einen Heizstab, und laut Fraunhofer sollte er nur bei den niedrigsten Außentemperaturen zum Einsatz kommen.
Diese Situationen lösen ihn aus:
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, unterhalb derer die Wärmepumpe die Heizlast nicht mehr allein deckt und ein zweiter Wärmeerzeuger zuschaltet, bei den meisten Anlagen der Heizstab. Je tiefer er liegt, desto seltener läuft der Heizstab.
Bei einer monoenergetischen Anlage plant der Fachbetrieb die Wärmepumpe bewusst so, dass sie fast das ganze Jahr allein heizt und der Heizstab nur an den kältesten Tagen hilft. Das kann sinnvoll sein, denn eine knapp bemessene Wärmepumpe läuft länger am Stück: Sehr wenige Verdichterstarts erreichten im Fraunhofer-Feld nur knapp dimensionierte Geräte.
Wie gut das funktioniert, zeigen vier Messanlagen, deren Heizstab die Heizung unterstützte. Er setzte erst ab einem Tagesmittel von etwa −2 bis −4 °C ein, wenn die Wärmepumpe bereits fast den ganzen Tag unter Volllast lief. Der Heizstab-Anteil dieser Anlagen lag bei 3 bis 4 % des Jahresstroms, bei dreien bewertet Fraunhofer den Einsatz ausdrücklich als gut an den Bedarf angepasst. Bei einer Hybridheizung mit Gaskessel gilt dieselbe Logik, siehe Hybridheizung.
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Ein Heizstab verbraucht pro Stunde so viele Kilowattstunden, wie er Kilowatt Leistung hat: Ein 6-kW-Heizstab braucht 6 kWh pro Stunde, das kostet 1,50 € bei 25 ct Wärmepumpenstrom und 2,22 € bei 37 ct Haushaltsstrom. Die Wärmepumpe erzeugt dieselbe Wärme im Jahresmittel für rund 0,44 €.
| Heizstab | Strom pro Stunde | Kosten bei 25 ct | Kosten bei 37 ct | gleiche Wärme per Wärmepumpe (25 ct) |
|---|---|---|---|---|
| 2 kW | 2 kWh | 0,50 € | 0,74 € | 0,15 € |
| 3 kW | 3 kWh | 0,75 € | 1,11 € | 0,22 € |
| 6 kW | 6 kWh | 1,50 € | 2,22 € | 0,44 € |
| 9 kW | 9 kWh | 2,25 € | 3,33 € | 0,66 € |
Annahmen: 25 ct/kWh als durchschnittlicher Wärmepumpentarif, 37 ct/kWh Haushaltsstrom (BDEW, Mittel 2026), Wärmepumpe mit JAZ 3,4. Mit den günstigsten Wärmepumpentarifen ab rund 20,7 ct/kWh kostet die Stunde mit 6 kW rund 1,24 €.
Im Jahr bleibt das überschaubar, solange der Heizstab Reserve ist: Mit dem Fraunhofer-Mittel von 1,3 % entfallen im 140-m²-Beispielhaus mit 5.435 kWh Wärmepumpenstrom rund 70 kWh auf den Heizstab, also etwa 18 € im Jahr. Teuer wird es bei Fehlbetrieb: Erzeugt der Heizstab 1.000 kWh Wärme, die eigentlich die Wärmepumpe hätte liefern können, kostet das 250 € statt 74 € bei 25 ct. Hängt der Heizstab am Haushaltszähler, sind es sogar 370 €. Wie viel Strom die ganze Anlage braucht, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch.
Selten: Bei der Hälfte von 36 vermessenen monoenergetischen Luft-Wasser-Wärmepumpen lief der Heizstab 2024 gar nicht oder mit weniger als 0,2 % des Stroms. Hohe Anteile hatten nur Anlagen mit Defekt oder Sonderbetrieb.
| Heizstab-Anteil am Strom (2024) | Anlagen (von 36) |
|---|---|
| unter 0,2 % | 18 |
| 0,2 bis 2 % | 10 |
| 2 bis 4 % | 6 |
| 15 und 17 % | 2 |
Die beiden Ausreißer erklärt Fraunhofer genau: Bei einer Anlage fiel die Wärmepumpe zweimal für mehrere Wochen aus, und der Heizstab übernahm als Notheizung (17 %). Bei der anderen, PV-optimiert betriebenen Anlage heizte der Heizstab von Juli bis Oktober das Warmwasser (15 %). Bei den Erdwärmepumpen lief er an 13 von 16 Anlagen praktisch nie, die zwei Anlagen mit über 10 % hatten Defekte. Bei den 10 bivalenten Anlagen mit Kessel war der Heizstab gar nicht in Betrieb.
Zur Einordnung: Die Messjahre waren eher mild, Temperaturen unter −5 °C kamen selten vor. In einem harten Winter läuft der Heizstab bei knapp ausgelegten Anlagen öfter. Das Prinzip bleibt aber: Bei einer intakten, gut eingestellten Anlage ist er Reserve und kein Dauerheizer. Wie die Wärmepumpe mit Frost umgeht, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe im Winter.
Beim Warmwasser hilft der Heizstab vor allem beim Legionellenschutz: Legionellen sterben laut Stiftung Warentest zuverlässig erst bei 60 Grad ab, und nicht jede Wärmepumpe erreicht diese Speichertemperatur allein. Dann heizt der Heizstab das letzte Stück nach.
Das kostet weniger, als viele befürchten. Einen 300-Liter-Speicher von 50 auf 60 °C zu erwärmen braucht rund 3,5 kWh, also etwa 0,87 € bei 25 ct. Einmal pro Woche sind das rund 180 kWh oder 45 € im Jahr (eigene Rechnung ohne Speicherverluste). Moderne Geräte mit dem Kältemittel Propan schaffen hohe Temperaturen oft selbst; Viessmann nennt für die Vitocal 250-A ↗ bis zu 70 °C Vorlauf bei Außentemperaturen bis −10 °C.
Im Alltag reichen niedrigere Temperaturen: Im Fraunhofer-Feld lag die mittlere Temperatur bei der Warmwasserbereitung bei rund 48 °C. Ein Blick in die Einstellungen lohnt trotzdem: Bei einer Messanlage heizte nach einigen Minuten Wärmepumpenbetrieb oft der Heizstab weiter und deckte so knapp 10 % des Warmwassers; den Auslöser konnte Fraunhofer aus den Daten nicht bestimmen. Wie oft eine Aufheizung auf 60 °C bei dir sinnvoll ist, klärst du am besten mit deinem Fachbetrieb.
Läuft der Heizstab bei milden Temperaturen oder fast täglich, liegt es meist an der Einstellung, manchmal an einem Defekt. Fraunhofer führt die wenigen hohen Heizstab-Anteile im Feld auf Gerätestörungen oder Fehler in der Parametrierung zurück.
Geh diese Punkte durch:
So prüfst du es selbst: Viele Regler zeigen Betriebsstunden oder Energie der elektrischen Zusatzheizung getrennt an. Notiere den Wert eine Woche lang. Steigt er bei Tagesmitteltemperaturen über 0 °C, abgesehen von der geplanten Legionellenschaltung, lass die Einstellungen prüfen.
Ganz abschalten solltest du ihn nicht, denn er ist die Reserve für Störungen und die kältesten Tage. Sinnvoll ist es aber, seine Freigabe mit dem Fachbetrieb zu begrenzen: nur unterhalb des Bivalenzpunkts, mit Verzögerung und nicht für die normale Warmwasserbereitung.
Statt ihn abzuschalten, sorgen eine niedrige Heizkurve, eine passende Warmwassertemperatur und ein sinnvoll gesetzter Bivalenzpunkt dafür, dass er von allein selten anspringt. Fraunhofer empfiehlt ausdrücklich, Heizstab- und Kesselbetrieb zu überwachen und zu optimieren, um unnötigen Betrieb zu vermeiden. Weitere Einstelltipps stehen im Ratgeber Stromverbrauch senken.
Nur als zweite Wahl: Eine Kilowattstunde Solarstrom bringt in der Wärmepumpe im Jahresmittel 3,4 kWh Wärme, im Heizstab nur 1 kWh. Der Heizstab ist sinnvoll, wenn die Wärmepumpe ihr Ziel schon erreicht hat und trotzdem noch Überschuss da ist.
Rechne mit der entgangenen Einspeisevergütung von 7,70 ct/kWh (neue Anlagen bis 10 kWp, Stand 2026): Mit dem Heizstab kostet die Kilowattstunde Wärme dann 7,7 ct, mit der Wärmepumpe rund 2,3 ct. Netzstrom in der Wärmepumpe liegt mit 7,35 ct je kWh Wärme fast genau so hoch wie Solarstrom im Heizstab.
Das Fraunhofer ISE hat PV-optimierten Betrieb untersucht: Mit PV-Strom zu 10 ct/kWh sanken die Stromkosten der Wärmepumpen um 8–21 %, und der Effizienzverlust blieb klein, solange die Heizstäbe nicht übermäßig zusätzlich liefen. Lenke den Überschuss deshalb zuerst per SG-Ready-Signal in die Wärmepumpe. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe und Photovoltaik.
Mit einer raumweisen Heizlastberechnung, einer Wärmepumpe, die zur Normaußentemperatur deines Wohnorts passt, und einem bewusst gewählten Bivalenzpunkt. Dann liefert die Wärmepumpe fast die gesamte Jahreswärme, und der Heizstab bleibt Reserve.
Für die KfW-Förderung sind die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, eine Auslegung auf eine JAZ von mindestens 3,0 und der hydraulische Abgleich ohnehin Pflicht. Ein gutes Angebot nennt deshalb Heizlast, Bivalenzpunkt und erwartete JAZ. Dabei gilt: nicht zu klein, sonst springt der Heizstab oft ein, aber auch nicht unnötig groß. Die meisten Wärmepumpen im Fraunhofer-Feld waren eher großzügig ausgelegt und hatten bei −7 °C deutliche Reserven, entsprechend selten lief dort der Heizstab. Wie die passende Größe ermittelt wird, steht im Ratgeber Wärmepumpe Größe berechnen.
Vergleiche mehrere Angebote genau auf diese Punkte. Über unseren Wärmepumpen-Check kannst du kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region vergleichen, was die Anlage bei dir kostet und spart, zeigt der Rechner. Wer den Förderantrag bis 31.01.2027 stellt, bekommt beim Tausch einer Öl- oder mindestens 20 Jahre alten Gasheizung bis zu 12.880 € Zuschuss (mit Einkommensbonus mehr), ab 01.02.2027 höchstens 11.445 €. Alle Bedingungen findest du unter Förderung.
Häufige Fragen
Nein. Im Fraunhofer-Feldtest hatten 84 % der Anlagen einen Heizstab als Reserve, einige stattdessen einen Kessel, und rund 5 % arbeiteten ganz ohne zweiten Wärmeerzeuger. Ob einer sinnvoll ist, hängt von Auslegung und Wärmequelle ab; bei Erdwärmepumpen lief er im Feld praktisch nie.
Viele Regler und Apps zeigen Betriebsstunden oder Energie der elektrischen Zusatzheizung getrennt an. Vergleiche den Wert mit dem Gesamtstrom der Wärmepumpe: Im Fraunhofer-Feld lag der Anteil im Mittel bei 1,3 %, bei der Hälfte der Luft-Wasser-Anlagen unter 0,2 %. Mehrere Prozent in einem milden Winter sind ein Grund, die Einstellungen prüfen zu lassen.
Ein 9-kW-Heizstab verbraucht pro Stunde 9 kWh, das kostet 2,25 € bei 25 ct. Läuft er einen ganzen Tag durch, sind es 216 kWh und 54 €, mit Haushaltsstrom zu 37 ct sogar rund 80 €. So lange läuft er im Normalbetrieb nie; solche Werte deuten auf einen Notbetrieb hin.
Ja: Bei 25 ct Strom kostet eine Kilowattstunde Wärme aus dem Heizstab 25 ct, aus einer Gasheizung rund 14,6 ct (12,45 ct/kWh, Nutzungsgrad 0,85). Die Wärmepumpe liegt im Jahresmittel bei rund 7,4 ct. Deshalb soll der Heizstab die Ausnahme bleiben, und im Feld war er das auch.
Eine eigene Wartung braucht er in der Regel nicht, der Fachbetrieb prüft ihn bei der regulären Wartung der Wärmepumpe mit. Die kostet laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im Schnitt rund 356 € je Termin. Lass dabei auch kontrollieren, wann die Zusatzheizung freigegeben ist.
Das hängt von der Verkabelung ab. Ist er Teil der Wärmepumpe oder ihres Speichers und am Wärmepumpenzähler angeschlossen, zahlst du den Wärmepumpentarif (Rechenwert 25 ct/kWh). Ein separat eingebauter Heizstab am Haushaltszähler kostet dagegen rund 37 ct je kWh.