Solarthermie oder Photovoltaik mit Wärmepumpe? Der Vergleich

Geprüft am 02. Oktober 2026

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9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02

Solarthermie oder Photovoltaik mit Wärmepumpe: Was ist sinnvoller?

Für die meisten Häuser mit Wärmepumpe ist Photovoltaik die bessere Wahl, weil Solarstrom Wärmepumpe, Haushalt und E-Auto versorgt und der Überschuss vergütet wird. Solarthermie liefert dagegen nur Wärme: Sie deckt laut Verbraucherzentrale bis zu 60 % des Warmwassers und mit Heizungsunterstützung etwa 25 % der Wärme, eine Heizung ersetzt sie nie. Sinnvoll bleibt Solarthermie vor allem, wenn sie schon auf dem Dach ist oder im Sommer sehr viel Warmwasser gebraucht wird.

Der entscheidende Unterschied: Solarthermie ist ein Zusatz, Photovoltaik plus Wärmepumpe ein vollständiges System. Die Wärmepumpe heizt das ganze Jahr, und jede Kilowattstunde Solarstrom macht sie günstiger. In diesem Ratgeber vergleichen wir Ertrag, Kosten und Förderung beider Techniken und zeigen, wann sich die Solarthermie trotzdem lohnt.

Was leistet Solarthermie wirklich?

Eine Solarthermieanlage deckt laut Verbraucherzentrale ↗ bis zu 60 % des Warmwasserbedarfs, als Kombianlage mit Heizungsunterstützung etwa 25 % der Wärme für Heizung und Warmwasser, co2online ↗ nennt für Kombianlagen etwa 30 %. Ein zweites Heizsystem brauchst du also immer.

Das Problem ist die zeitliche Verteilung:

Typische Größen laut Verbraucherzentrale:

AnlageKollektorflächeSpeicherSolarer Anteil
Warmwasser, 4-Personen-Haushalt4–6 m²300–400 Literbis zu 60 % des Warmwassers
Kombianlage mit Heizungsunterstützung14–16 m²z. B. 1.000 Liter (co2online)etwa 25 % der Wärme

Eine Solarthermieanlage wandelt Sonnenlicht direkt in Wärme um. Der Kollektor erreicht laut co2online einen Wirkungsgrad von rund 50 %, die gesamte Anlage mit Heizungsunterstützung im Schnitt 25 bis 30 %. Zum Vergleich: PV-Anlagen arbeiten laut Fraunhofer ISE im Betrieb mit rund 19 % Wirkungsgrad. Pro Quadratmeter liefert Solarthermie also mehr Energie, allerdings als Wärme, die sich nur begrenzt speichern und verteilen lässt.

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Was kostet Solarthermie im Vergleich zu Photovoltaik?

Eine Solarthermieanlage kostet im Einfamilienhaus laut co2online 5.000 bis 10.000 €, je Quadratmeter Kollektorfläche 350 bis 700 €. Eine PV-Anlage mit 10 kWp kostet laut Verbraucherzentrale ↗ 12.000 bis 25.000 €, dafür fällt keine Mehrwertsteuer an und der Strom hat mehrere Abnehmer.

KennzahlSolarthermiePhotovoltaik
Investition im Einfamilienhaus5.000–10.000 € (co2online)12.000–25.000 € für 10 kWp (Verbraucherzentrale)
FörderungKfW 458: 30 % Grundförderung plus Bonikeine KfW-Förderung, aber 0 % Mehrwertsteuer und EEG-Vergütung
Nutzungnur Wärme im eigenen HausWärmepumpe, Haushalt, E-Auto, Einspeisung
Lebens- bzw. Nutzungsdauerlaut co2online über 30 Jahre möglichFraunhofer ISE kalkuliert die Stromkosten mit 20 Jahren Nutzungsdauer

In der Beispielrechnung von co2online amortisiert sich eine Kombianlage mit 12 m² Flachkollektoren nach 21 Jahren, eine Anlage mit 8 m² Röhrenkollektoren nach 18 Jahren. Strom aus kleinen Dachanlagen kostet laut Fraunhofer ISE in der Erzeugung 6 bis 14 ct/kWh und ersetzt in der Wärmepumpe Netzstrom für rund 25 ct/kWh.

Warum ist Photovoltaik mit Wärmepumpe flexibler?

Photovoltaik ist flexibler, weil Strom universell einsetzbar ist: Was die Wärmepumpe gerade nicht braucht, geht in den Haushalt, in die Wallbox, in einen Speicher oder gegen Vergütung ins Netz. Dadurch geht kein Sommerüberschuss verloren.

Im Zusammenspiel mit der Wärmepumpe kommt ein Hebel dazu: Jede selbst erzeugte Kilowattstunde Strom wird in der Wärmepumpe zu mehreren Kilowattstunden Wärme. Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand erreichten im Fraunhofer-Feldtest eine Jahresarbeitszahl von im Mittel 3,4. Solarstrom, der sonst für 7,70 ct/kWh eingespeist würde, ersetzt damit Wärmepumpenstrom im Wert von rund 25 ct/kWh.

Im Feldtest stammten ohne Batterie 13 bis 36 % des Wärmepumpenstroms vom eigenen Dach, mit Batterie 17 bis 55 %. Im Winter ist es wenig, in Frühjahr und Herbst viel. Im Sommerhalbjahr kann die PV-Anlage laut Fraunhofer ISE die Warmwasserbereitung übernehmen, also genau die Aufgabe, für die viele eine Solarthermieanlage kaufen. Ausführlich erklärt das der Ratgeber Wärmepumpe und Photovoltaik.

Was bringt mehr Wärme pro Quadratmeter Dach?

Rechnerisch liefern 10 m² Photovoltaik über die Wärmepumpe rund doppelt so viel Wärme wie 10 m² Solarthermie, vorausgesetzt, der Solarstrom fließt tatsächlich in die Wärmepumpe. Den Rest nutzen Haushalt und Netz, sodass auch der Überschuss Geld bringt.

So kommen die Zahlen zustande:

10 m² DachflächePhotovoltaik mit WärmepumpeSolarthermie
Ertrag pro Jahrrund 1.900–2.100 kWh Stromrund 3.200–3.800 kWh Wärme
Daraus Wärmebis rund 6.600–7.200 kWh, wenn der Strom in die Wärmepumpe fließtnur so viel, wie Speicher und Bedarf aufnehmen
Überschuss im SommerHaushalt, E-Auto oder Einspeisungbleibt ungenutzt

Ehrlich gesagt nutzt die Wärmepumpe nicht den ganzen Solarstrom direkt: Im Fraunhofer-Feldtest flossen ohne Batterie nur 4 bis 18 % des PV-Stroms unmittelbar in die Wärmepumpe, der Rest versorgte den Haushalt oder ging ins Netz. Der Vorteil der Photovoltaik bleibt trotzdem: Jede Kilowattstunde findet einen Abnehmer, bei Solarthermie dagegen nicht. Wer nicht gerade ein sehr großes Dach hat, fährt deshalb mit einer durchgehenden PV-Belegung besser.

Wann ist Solarthermie trotzdem sinnvoll?

Solarthermie lohnt sich vor allem, wenn die Anlage schon auf dem Dach ist, wenn im Sommer sehr viel Warmwasser gebraucht wird oder wenn du dich bewusst nicht um Strom, Speicher und Einspeisung kümmern willst. In diesen Fällen ergänzt sie die Wärmepumpe sinnvoll.

Vorhandene Anlage behalten. Eine funktionierende Solarthermieanlage lässt sich mit einer Wärmepumpe kombinieren. Sie übernimmt dann im Sommer das Warmwasser und entlastet die Wärmepumpe genau dann, wenn sie für hohe Warmwassertemperaturen arbeiten müsste. Hochwertige Anlagen können laut co2online noch nach über 30 Jahren zuverlässig Wärme erzeugen.

Hoher Warmwasserbedarf im Sommer. Große Haushalte, Mehrgenerationenhäuser oder Betriebe mit konstantem Warmwasserbedarf nutzen die Sommererträge tatsächlich aus.

Solarthermie als Wärmequelle der Wärmepumpe. Laut KfW-Infoblatt sind solarthermische Kollektoren und PVT-Kollektoren als Wärmequelle einer Wärmepumpe förderfähig. Das ist eine Lösung für spezielle Anlagenkonzepte und gehört in die Hand eines erfahrenen Planers.

Kein Interesse an Stromhandel. Wer weder Einspeisung noch Speicher noch E-Auto will, bekommt mit Solarthermie das einfachere System.

Hilft Solarthermie bei der Bio-Treppe für eine neue Gasheizung?

Nur vorübergehend: Wer nach dem 29.07.2026 eine neue Gas- oder Ölheizung einbaut, kann die Bio-Treppe von 2029 bis Ende 2034 mit einer Solarthermieanlage erfüllen, danach greifen die höheren Stufen. Nach § 43 GModG ↗ braucht die Anlage dafür bei bis zu zwei Wohnungen mindestens 0,04 m² Aperturfläche je Quadratmeter Nutzfläche, bei 150 m² Nutzfläche also 6 m².

Die Bio-Treppe verlangt für neu eingebaute Gas- und Ölheizungen ab 2029 mindestens 10 % Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff, ab 2030 15 %, ab 2035 30 % und ab 2040 60 %. Ab 2035 reicht die Solarthermie als Ersatzlösung nicht mehr aus. Eine Wärmepumpe ist von der Bio-Treppe dagegen gar nicht betroffen. Was die Pflicht kostet, erklärt der Ratgeber Bio-Treppe für Gasheizungen, welche Heizungen erlaubt sind, der Ratgeber Gasheizung einbauen: Ist das erlaubt?.

Wird Solarthermie gefördert?

Ja, die KfW fördert Solarthermie in der Heizungsförderung 458 mit 30 % Grundförderung, dazu können Klimabonus und Einkommensbonus kommen. Wärmepumpe und Solarthermie lassen sich in einem Antrag kombinieren, laut KfW ↗ zählen die Kosten beider Anlagen zusammen bis zur Höchstgrenze von 28.000 € im Einfamilienhaus.

Was sollte aufs Dach, wenn du beides neu planst?

Im Regelfall gehört Photovoltaik aufs Dach und die Wärmepumpe in den Keller oder neben das Haus. Diese Kombination liefert aus derselben Fläche mehr nutzbare Energie und bleibt flexibel.

  1. Dach möglichst voll mit Photovoltaik belegen: Auch Ost- und Westflächen tragen bei. Achte darauf, dass mindestens 30 % des Solarstroms im Haus verbraucht werden, das empfiehlt die Verbraucherzentrale.
  2. Wärmepumpe als Heizung, ausgelegt auf eine niedrige Vorlauftemperatur.
  3. Warmwasser über die Wärmepumpe oder eine separate Brauchwasserwärmepumpe, die Solarstrom als Warmwasser speichert. Siehe Ratgeber Brauchwasserwärmepumpe.
  4. Batteriespeicher erst rechnen, dann kaufen. Er lohnt sich nicht in jedem Fall.
  5. Zeitpunkt beachten: PV-Anlagen, die noch 2026 in Betrieb gehen, bekommen 20 Jahre lang die bisherige Einspeisevergütung. Für neue Anlagen ab 2027 sieht der Kabinettsentwurf zum EEG 2027 nur noch eine befristete Übergangszahlung vor.

Wie viel du mit Wärmepumpe und Solarstrom sparst, zeigt der Wärmepumpen-Rechner. Im Wärmepumpen-Check kannst du kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region vergleichen und die Dachfrage gleich mit klären.

Quellen und weiterführende Links

Häufige Fragen

Kann Solarthermie eine Heizung ersetzen?

Nein. Eine Solarthermieanlage deckt laut Verbraucherzentrale bis zu 60 % des Warmwasserbedarfs, als Kombianlage mit Heizungsunterstützung etwa 25 % der Wärme für Heizung und Warmwasser. Es braucht immer ein zweites Heizsystem, weil die Erträge im Winter am geringsten sind, wenn die Heizlast am höchsten ist.

Wie viel Dachfläche braucht eine Solarthermieanlage?

Für das Warmwasser eines 4-Personen-Haushalts rechnet die Verbraucherzentrale mit 4 bis 6 m² Kollektorfläche und einem Speicher von 300 bis 400 Litern. Mit Heizungsunterstützung sind es etwa 14 bis 16 m². Auf dieselbe Fläche passen rechnerisch rund 3,2 bis 3,7 kWp Photovoltaik.

Lohnt sich Solarthermie zusammen mit einer Wärmepumpe?

Wenn die Anlage schon vorhanden ist, ja: Sie übernimmt im Sommer das Warmwasser und entlastet die Wärmepumpe. Neu würden wir die Kombination nur bei hohem sommerlichem Warmwasserbedarf bauen. Fördern lassen sich beide Anlagen in einem KfW-Antrag, zusammen bis zur Höchstgrenze von 28.000 € im Einfamilienhaus.

Wie viel Wärmepumpenstrom deckt eine Photovoltaikanlage ab?

Im Feldtest des Fraunhofer ISE stammten ohne Batteriespeicher 13 bis 36 % des Wärmepumpenstroms vom eigenen Dach, mit Batterie 17 bis 55 %. Im Winter ist es wenig, in Frühjahr und Herbst deutlich mehr. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Wärmepumpenstrom für rund 25 ct, statt für 7,70 ct eingespeist zu werden.

Was ist ein PVT-Kollektor?

Ein PVT-Kollektor (Hybridkollektor) erzeugt gleichzeitig Strom und Wärme und dient oft als Wärmequelle für eine Wärmepumpe. Laut KfW-Infoblatt sind PVT-Kollektoren förderfähig, auch wenn der Strom eine EEG-Vergütung bekommt. Von den Kosten wird eine Pauschale von 1.500 € je kWp für den Stromteil abgezogen.

Wie lange hält eine Solarthermieanlage?

Hochwertige Anlagen können laut co2online noch nach über 30 Jahren zuverlässig Wärme erzeugen, teils mit Garantiezeiten von 20 Jahren. In der Beispielrechnung von co2online amortisiert sich eine Kombianlage nach 18 bis 21 Jahren. Eine vorhandene, funktionierende Anlage solltest du deshalb beim Umstieg auf die Wärmepumpe behalten.

Andreas Mali

Gründer & Redaktion WärmepumpenGenie

Andreas Mali ist Gründer von WärmepumpenGenie und recherchiert Förderprogramme, Heizkosten und Technikdaten fortlaufend aus Primärquellen (KfW, BAFA, Verbraucherzentralen, Fraunhofer ISE). Mehr über uns und unsere Methodik

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