Solarthermie oder Photovoltaik mit Wärmepumpe? Was aufs Dach gehört

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8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-09-24

Solarthermie oder Photovoltaik mit Wärmepumpe: Was ist sinnvoller?

Für die meisten Häuser ist Photovoltaik plus Wärmepumpe die bessere Wahl. Solarthermie erzeugt ausschließlich Wärme und kann eine Heizung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen – im Sommer deckt sie das Warmwasser, im Winter, wenn die Wärme gebraucht wird, liefert sie am wenigsten. Photovoltaik erzeugt dagegen Strom, der sich für die Wärmepumpe, den Haushalt, das Auto und die Einspeisung nutzen lässt. Der entscheidende Unterschied: Solarthermie ist ein Zusatz, Photovoltaik plus Wärmepumpe ein vollständiges System.

Was leistet Solarthermie wirklich?

Eine Solarthermieanlage wandelt Sonneneinstrahlung direkt in Wärme um und erreicht dabei höhere Wirkungsgrade als Photovoltaik. Das klingt zunächst nach dem besseren Geschäft. Das Problem ist die zeitliche Verteilung:

Eine Solarthermieanlage für Warmwasser deckt in der Praxis 50 bis 60 % des Jahreswarmwasserbedarfs. Eine größere Anlage mit Heizungsunterstützung kommt auf 15 bis 25 % des gesamten Wärmebedarfs. Eine Heizung ersetzt sie nicht – es braucht immer ein zweites System.

Warum Photovoltaik flexibler ist

Photovoltaik hat denselben saisonalen Verlauf, aber einen entscheidenden Vorteil: Strom ist universell einsetzbar. Was die Wärmepumpe nicht braucht, geht in den Haushalt, in die Wallbox, in einen Speicher oder ins Netz gegen Einspeisevergütung.

Dadurch entsteht keine Übererzeugung, die verloren geht. Und im Zusammenspiel mit der Wärmepumpe kommt ein Hebel dazu: Jede selbst erzeugte Kilowattstunde Strom wird in der Wärmepumpe zu drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Solarstrom, der sonst für rund 7 Cent eingespeist würde, ersetzt damit Wärme im Wert von etwa 25 Cent.

In der Praxis deckt eine PV-Anlage 25 bis 40 % des Wärmepumpenstroms im Jahr – im Winter wenig, in den Übergangszeiten viel. Ausführlich steht das im Ratgeber Wärmepumpe und Photovoltaik.

Der Platzkonflikt auf dem Dach

Beide Techniken konkurrieren um dieselbe Fläche. Eine Solarthermieanlage für Warmwasser belegt vier bis sechs Quadratmeter, mit Heizungsunterstützung zehn bis fünfzehn. Diese Fläche fehlt der Photovoltaik.

Zum Vergleich: Zehn Quadratmeter Dachfläche liefern als Photovoltaik etwa 2 kWp und damit rund 2.000 Kilowattstunden Strom im Jahr – genug, um über die Wärmepumpe 6.800 Kilowattstunden Wärme zu erzeugen. Dieselben zehn Quadratmeter Solarthermie liefern je nach Auslegung 3.000 bis 4.000 Kilowattstunden Wärme, von denen im Sommer ein Teil ungenutzt bleibt.

Wer also nicht gerade ein sehr großes Dach hat, fährt mit einer durchgehenden PV-Belegung besser.

Wann Solarthermie trotzdem sinnvoll ist

Hoher Warmwasserbedarf im Sommer. Große Haushalte, Mehrgenerationenhäuser oder Betriebe mit konstantem Warmwasserbedarf nutzen die Sommererträge tatsächlich aus.

Vorhandene Anlage. Wer bereits Solarthermie auf dem Dach hat, sollte sie behalten. Sie lässt sich mit einer Wärmepumpe kombinieren – die Solarthermie übernimmt dann im Sommer das Warmwasser und entlastet die Wärmepumpe genau dann, wenn deren Effizienz für Warmwasser am schlechtesten ist.

Kein Interesse an Stromhandel. Wer weder Einspeisung noch Speicher noch E-Auto will, bekommt mit Solarthermie das einfachere System.

Gefördert wird Solarthermie übrigens ebenfalls mit 30 % Grundförderung über die KfW, wenn sie als Heizung oder zur Heizungsunterstützung eingebaut wird.

Was sollte aufs Dach, wenn beides neu gebaut wird?

Unsere Empfehlung für den Regelfall im Einfamilienhaus:

  1. Dach voll mit Photovoltaik belegen – auch Ost- und Westflächen, die liefern morgens und abends, wenn der Verbrauch hoch ist.
  2. Wärmepumpe als Heizung, ausgelegt auf niedrige Vorlauftemperatur.
  3. Warmwasser über die Wärmepumpe oder eine separate Brauchwasser-Wärmepumpe, siehe Ratgeber Brauchwasserwärmepumpe.
  4. Speicher erst rechnen, dann kaufen – er lohnt sich nicht in jedem Fall.

Fazit: Solarthermie ist eine gute Technik, die am falschen Punkt ansetzt: Sie liefert Wärme dann, wenn am wenigsten gebraucht wird, und lässt sich nicht weiterverwenden. Photovoltaik plus Wärmepumpe erzeugt aus derselben Dachfläche mehr nutzbaren Ertrag und bleibt flexibel. Nur bei hohem sommerlichem Warmwasserbedarf oder einer bereits vorhandenen Anlage spricht mehr für die Solarthermie.

Quellen und weiterführende Links

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Häufige Fragen

Kann Solarthermie eine Heizung ersetzen?

Nein. Eine Solarthermieanlage für Warmwasser deckt 50 bis 60 Prozent des Jahreswarmwasserbedarfs, mit Heizungsunterstützung erreicht sie 15 bis 25 Prozent des gesamten Wärmebedarfs. Es braucht immer ein zweites Heizsystem, weil die Erträge im Winter am geringsten sind, wenn die Heizlast am höchsten ist.

Was bringt mehr auf zehn Quadratmetern Dach: Solarthermie oder Photovoltaik?

Zehn Quadratmeter Photovoltaik entsprechen etwa 2 kWp und liefern rund 2.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Über eine Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,4 werden daraus etwa 6.800 Kilowattstunden Wärme. Dieselbe Fläche Solarthermie liefert 3.000 bis 4.000 Kilowattstunden Wärme, von denen im Sommer ein Teil ungenutzt bleibt.

Lohnt sich Solarthermie zusammen mit einer Wärmepumpe?

Wenn die Anlage bereits vorhanden ist, ja. Die Solarthermie übernimmt im Sommer das Warmwasser und entlastet die Wärmepumpe genau dann, wenn deren Effizienz für Warmwasser am schlechtesten ist. Neu bauen würden wir die Kombination nur bei hohem sommerlichem Warmwasserbedarf.

Wird Solarthermie gefördert?

Ja, mit 30 Prozent Grundförderung über die KfW, wenn sie als Heizung oder zur Heizungsunterstützung eingebaut wird. Die Boni und die Höchstgrenzen entsprechen denen der Wärmepumpenförderung.

Wie viel Wärmepumpenstrom deckt eine Photovoltaikanlage ab?

In der Praxis 25 bis 40 Prozent über das Jahr gerechnet, im Winter deutlich weniger und in den Übergangszeiten deutlich mehr. Jede selbst erzeugte Kilowattstunde wird in der Wärmepumpe zu drei bis vier Kilowattstunden Wärme, wodurch Solarstrom statt der Einspeisevergütung von rund 7 Cent einen Gegenwert von etwa 25 Cent erreicht.

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