8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02
Ja, die meisten modernen Wärmepumpen können im Sommer kühlen, indem sie Wärme aus den Räumen über Fußbodenheizung, Kühldecke oder Gebläsekonvektoren aufnehmen und nach draußen oder ins Erdreich abgeben. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist die Kühlfunktion meist schon eingebaut und muss nur aktiviert werden, Erdwärmepumpen kühlen besonders sparsam passiv. Über die Fußbodenheizung sinkt die Raumtemperatur laut Herstellern typischerweise um 2 bis 3 Grad, mit Gebläsekonvektoren geht es kräftiger.
So wird die Heizung im Sommer zur sanften Klimatisierung ohne zweites Gerät, über Flächen wie den Fußboden ohne Zugluft und nahezu geräuschlos. Ob die Voraussetzungen passen, prüft der Fachbetrieb: Neubauten bringen sie meist mit, im Altbau müssen sie oft erst geschaffen werden. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) nennt auf seiner Seite zum Kühlen ↗ vier Planungspunkte: eine möglichst genaue Kühllastrechnung (etwa nach VDI 2078), Heizflächen, die auch für die Kühlung ausgelegt sind, die beim Kühlen größeren Wassermengen und die Vermeidung oder Ableitung von Kondenswasser.
Bei der aktiven Kühlung läuft der Verdichter und der Kältekreis einer reversiblen Wärmepumpe wird umgekehrt, das geht mit jeder Wärmequelle, also auch mit Außenluft. Bei der passiven Kühlung bleibt der Verdichter aus: Nur Umwälzpumpen bringen die Raumwärme in den kühleren Untergrund, deshalb funktioniert sie ausschließlich mit Erdwärme oder Grundwasser.
| Merkmal | Aktive Kühlung | Passive Kühlung |
|---|---|---|
| Wärmequelle | Luft, Erdreich oder Grundwasser | nur Erdreich oder Grundwasser |
| Was läuft | Verdichter, Kältekreis umgekehrt | Umwälzpumpen und Regelung |
| Kühlleistung | höher | geringer, setzt langsamer ein |
| Stromverbrauch | Leistungszahl rund 5 laut BWP | sehr gering |
| Nebeneffekt | keiner | Sommerwärme im Boden hilft im Winter |
Im Erdreich herrschen auch im Sommer nur etwa 10 bis 12 °C, schreibt der BWP. Deshalb reicht es, das Wasser der Fußbodenheizung über einen Wärmetauscher an die Sole abzugeben, die Wärmepumpe selbst bleibt aus. Die im Sommer eingespeicherte Wärme steht im Winter wieder zur Verfügung, die Wärmepumpe arbeitet dann effizienter. Beide Varianten beschreibt auch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in seinem Leitfaden für Erdwärmesonden zum Heizen und Kühlen ↗. Was Bohrung und Erdwärmepumpe kosten, steht im Ratgeber Erdwärmepumpe: Kosten und Bohrung.
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Die Fußbodenkühlung ist eine sanfte Temperierung: Die Raumtemperatur sinkt typischerweise um 2 bis 3 Grad, ohne Zugluft und ohne Geräusch im Raum. Mehr ist nicht drin, weil der Boden nicht unter den Taupunkt der Raumluft abkühlen darf, sonst bildet sich Kondenswasser.
Die Spanne stammt von den Herstellern: Vaillant nennt auf seiner Ratgeberseite zum Kühlen ↗ bis zu etwa 3 °C, Bosch typischerweise 2 bis 3 Grad. Anders als ein Klimagerät entfeuchtet die Fußbodenkühlung die Luft in der Regel nicht. Am besten leiten Fliesen und Naturstein die Kühle in den Raum, auch manche Parkettböden eignen sich. Wer noch keine Flächenheizung hat, findet die Möglichkeiten im Ratgeber Fußbodenheizung nachrüsten.
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Feuchtigkeit der Raumluft an einer kalten Fläche zu Wasser kondensiert. Eine Taupunktregelung hält die Temperatur des Kühlwassers automatisch darüber, deshalb bleibt die Kühlfläche bei fachgerechter Planung trocken und das Risiko von Feuchte- und Schimmelschäden gering.
| Raumluft | Taupunkt (Magnus-Formel) |
|---|---|
| 24 °C, 60 % relative Feuchte | 15,8 °C |
| 26 °C, 50 % relative Feuchte | 14,8 °C |
| 26 °C, 60 % relative Feuchte | 17,6 °C |
| 28 °C, 60 % relative Feuchte | 19,5 °C |
An schwülen Tagen steigt der Taupunkt also, und die Regelung nimmt die Kühlleistung zurück. Taupunktwächter messen Oberflächentemperatur und Luftfeuchte und greifen ein, bevor Wasser ausfällt. Achte beim Kauf darauf, dass Wärmepumpe und Regelung diese Funktion haben, und frag nach, wie kalte Leitungen gegen Tauwasser geschützt werden.
Kaum: Normale Heizkörper sind meist zu klein, um ohne Kondenswasser eine nennenswerte Kühlleistung zu erreichen, und kälteres Wasser würde an ihnen Tauwasser bilden. Wer ohne Flächenheizung kühlen will, ergänzt in den wichtigsten Räumen Gebläsekonvektoren.
Ein Gebläsekonvektor bläst die Raumluft mit einem Ventilator über einen Wärmetauscher, durch den das Kühlwasser der Wärmepumpe fließt. Weil er das entstehende Kondenswasser über einen Ablauf abführt, darf er mit kälterem Wasser arbeiten als eine Fußbodenheizung und kühlt schneller und gezielter. Er braucht dafür einen Kondensatanschluss und etwas Strom für den Ventilator. Welche Heizkörper zur Wärmepumpe passen, erklärt der Ratgeber Wärmepumpe mit Heizkörpern.
Zum schnellen, kräftigen Herunterkühlen einzelner Räume ist die Luft-Luft-Wärmepumpe, also das Split-Klimagerät, im Vorteil, weil sie die Raumluft direkt kühlt und dabei entfeuchtet. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe temperiert dafür das ganze Haus gleichmäßig über die Heizflächen und erledigt Heizung und Warmwasser gleich mit.
Im Klimageräte-Test der Stiftung Warentest ↗ (Stand 2026) kosten die 15 Split-Geräte mit 2,5 oder 3,5 kW Kühlleistung ohne Installation 873–1.957 €. Für einen 25 m² großen Südraum kann laut Test ein 2,5-kW-Gerät genügen. Feste Split-Geräte darf nur ein Fachbetrieb installieren, und ab 2029 dürfen Luft-Luft-Split-Geräte bis 12 kW mit Kältemitteln wie R32 nicht mehr neu in Verkehr gebracht werden.
Gefördert wird eine Luft-Luft-Wärmepumpe nur als Heizung: Laut Förderrichtlinie ↗ muss sie dafür in der Wärmeerzeugerliste stehen und bis 12 kW mindestens die Effizienzklasse A++ erreichen. Mehr dazu im Ratgeber Luft-Luft-Wärmepumpe.
Erstaunlich wenig: Für die aktive Kühlung rechnet der BWP mit einer Leistungszahl von 5, aus 1 kWh Strom werden also rund 5 kWh Kälte, bei der passiven Kühlung laufen nur Pumpen und Regelung. In unserem Beispiel kostet ein Sommer aktive Kühlung rund 40 €, passive rund 10 €.
Die Annahmen: Das Haus wird an 400 Stunden im Sommer mit durchschnittlich 2 kW gekühlt, es müssen also 800 kWh Wärme hinaus. Strompreis 25 ct/kWh im Wärmepumpentarif.
| Variante | Annahme | Strom pro Sommer | Kosten bei 25 ct/kWh |
|---|---|---|---|
| Aktiv, Luft-Wasser | Leistungszahl 5 laut BWP | 160 kWh | 40 € |
| Aktiv, vorsichtig gerechnet | Leistungszahl 3 | 267 kWh | 67 € |
| Passiv, Erdwärme | Pumpen mit zusammen 100 W | 40 kWh | 10 € |
Mit Haushaltsstrom zu 37 ct/kWh (BDEW-Mittel 2026) kostet die aktive Variante rund 59 €. Für ein einzelnes Split-Klimagerät kommt die Stiftung Warentest in ihrer Beispielrechnung auf 780–1.800 € Stromkosten fürs Kühlen in 15 Jahren, also 52–120 € pro Jahr und Raum. Läuft die Kühlung mit eigenem Solarstrom, kostet sie dich nur die entgangene Einspeisevergütung, bei einer neuen Anlage bis 10 kWp 7,70 ct/kWh, im aktiven Beispiel also rund 12 €.
Bei den meisten modernen Luft-Wasser-Wärmepumpen kostet die Kühlfunktion kein zusätzliches Gerät, sie ist eingebaut und muss nur aktiviert werden. Fehlt sie, lässt sie sich bei einer Luft-Wärmepumpe laut BWP nicht nachrüsten, bei Erdwärmepumpen dagegen schon: Ein zusätzlicher Wärmetauscher macht die passive Kühlung möglich.
Kosten entstehen vor allem im Haus. Das sind die Voraussetzungen im Überblick:
Feste Preise dafür gibt es nicht, lass dir diese Posten im Angebot einzeln ausweisen. Wie wichtig die Abstimmung ist, zeigt der Feldtest des Fraunhofer ISE: Bei einer Anlage entfielen rund 2.000 von 7.280 Verdichterstarts auf die Kühlung, oft lief sie nur wenige Minuten. Ein Fachbetrieb, der Hydraulik und Regelung auf den Kühlbetrieb auslegt, kann solches Takten vermeiden.
Eine eigene Förderung für Kühltechnik gibt es im Wohnhaus nicht, die Bundesförderung bezuschusst Kältetechnik nur in Nichtwohngebäuden. Gefördert wird die Wärmepumpe als neue Heizung: 30 % Grundförderung, 16 % Klimabonus beim Tausch einer Öl- oder mindestens 20 Jahre alten Gasheizung und mit Einkommensbonus bis zu 70 oder 80 %. Im Standardfall sind das 12.880 € bei Antrag bis 31.01.2027, Details auf unserer Seite Förderung.
Ja, denn Kühlbedarf und Solarstrom fallen zeitlich zusammen: Wenn die Sonne das Haus aufheizt, liefert die PV-Anlage den Strom für die Kühlung gleich mit. Und heiße Tage werden häufiger, das Umweltbundesamt zählte 2025 im Schnitt 11,1 Tage mit mindestens 30 °C, 2018 waren es 20,4, der Trend steigt.
Damit wird die Kühlfunktion zu einem echten Kaufargument: Du bekommst mit einer Anlage Heizung, Warmwasser und sommerliche Kühlung, statt später ein separates Klimagerät zu kaufen. Beim Heizen ist die Wärmepumpe laut Heizspiegel 2026 ohnehin die günstigste Lösung, für ein 130-m²-Haus 1.300 € im Jahr statt 1.930 € mit Gas. Wie Wärmepumpe und Solaranlage zusammenspielen, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe und Photovoltaik, welche Wärmequelle zu dir passt, der Vergleich Luft-Wasser vs. Sole-Wasser. Mit dem Wärmepumpen-Rechner siehst du die Zahlen für dein Haus, und über den Wärmepumpen-Check kannst du kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region vergleichen, gleich mit Kühlfunktion.
Häufige Fragen
Über die Fußbodenheizung typischerweise um 2 bis 3 Grad, der Hersteller Vaillant nennt bis zu etwa 3 °C. Mit Gebläsekonvektoren ist mehr möglich, weil sie die Raumluft direkt über einen kalten Wärmetauscher führen. Ein Split-Klimagerät kühlt einzelne Räume am schnellsten herunter.
Nein, passive Kühlung funktioniert nur mit Erdwärme oder Grundwasser, weil nur dort im Sommer eine Wärmequelle mit etwa 10 bis 12 °C bereitsteht. Luft-Wasser-Wärmepumpen kühlen aktiv mit umgekehrtem Kältekreis, laut BWP mit einer Leistungszahl von etwa 5.
Ein Gebläsekonvektor ist ein Heiz- und Kühlgerät für den Raum, in dem ein Ventilator die Raumluft über einen Wärmetauscher bläst, durch den das Wasser der Wärmepumpe fließt. Weil er Kondenswasser über einen Ablauf abführt, darf er mit kälterem Wasser arbeiten als eine Fußbodenheizung. Er kühlt deshalb schneller und gezielter, braucht aber einen Kondensatanschluss.
Nicht separat, denn Kältetechnik zur Raumkühlung fördert die Bundesförderung nur in Nichtwohngebäuden. Die Wärmepumpe selbst wird als neue Heizung mit 30 bis 70 %, bei niedrigem Einkommen bis 80 % der förderfähigen Kosten bezuschusst. Förderfähig sind bis zu 28.000 € für die erste Wohnung, im Standardfall mit Klimabonus sind das 12.880 €.
Nein, im Gegenteil: Beim Kühlen gibt die Sonde Wärme an den Boden ab, die im Winter wieder zum Heizen bereitsteht, die Wärmepumpe arbeitet dann effizienter. Auch ohne Kühlung erreicht das Erdreich laut BWP bei fachgerechter Auslegung 6 bis 8 Wochen nach Ende der Heizperiode wieder die Temperatur des unbeeinflussten Bodens.
Die Erdwärmesonde braucht in der Regel ohnehin eine wasserrechtliche Erlaubnis, und die Kühlung, also der Wärmeeintrag in den Untergrund, gehört mit in die Planung und den Antrag. In Hessen gelten die Anforderungen des Gewässerschutzes ausdrücklich auch für Sonden, die zur Gebäudekühlung genutzt werden. Für die aktive Kühlung mit einer Luft-Wärmepumpe brauchst du keine zusätzliche Genehmigung, die Lärmwerte am Nachbarfenster gelten aber auch im Sommer.