10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 2026-10-02
Für viele Bestandskunden wird Gas 2027 wahrscheinlich teurer, wie stark, kann aber niemand seriös vorhersagen. Neukunden zahlten am 02.10.2026 schon rund 12 ct/kWh statt rund 8 ct Anfang März, und Verivox erwartet für Bestandskunden Erhöhungen von 10 bis 20 %, falls die Großhandelspreise so hoch bleiben. Der CO2-Preis soll 2027 bei 55 bis 65 € je Tonne bleiben, ab 2028 bildet er sich im EU-Emissionshandel ETS2 am Markt.
Statt einer erfundenen Zahl für 2027 findest du hier die Faktoren, die deinen Gaspreis bestimmen, jeweils mit Quelle und Datum:
| Einflussfaktor | Stand | Wirkung auf deinen Preis |
|---|---|---|
| Großhandelspreis (TTF) | über 80 €/MWh am 09.09.2026, vor dem Krieg rund 30 € | kommt mit Wochen bis Monaten Verzögerung an |
| Gasspeicher | 57,6 % am 30.09.2026 | wenig Puffer, Preisrisiko bei Kälte |
| CO2-Preis | 2027: 55–65 €/t geplant, ab 2028 ETS2 | 2027 stabil, ab 2028 offen |
| Netzentgelte | 2,57 ct/kWh im Jahr 2026 (2025: rund 2,33 ct) | langfristig steigend |
| Bio-Treppe | ab 2029, nur für neue Gasheizungen | Mehrkosten offen |
Im Großhandel ist es das bereits: Der europäische Leitpreis TTF stieg am 09.09.2026 erstmals seit Ende 2022 über 80 €/MWh, vor dem Krieg lag er laut Verivox bei rund 30 €. Bei dir kommt das mit Verzögerung an, weil Versorger ihr Gas zum großen Teil Monate bis Jahre im Voraus einkaufen.
Laut einer dpa-AFX-Meldung vom 09.09.2026 ↗ lag der TTF-Kontrakt zu Kriegsbeginn im März kurz über 70 € und Anfang Juli bei gut 40 €. Treiber sind die Lage an der Straße von Hormus und die weitgehend gedrosselte Flüssiggasproduktion in Katar; ein Commerzbank-Experte verweist zudem auf die niedrigen Speicher in Europa und eine möglicherweise höhere Nachfrage in Asien. Zum Vergleich: 2022 stieg der Preis nach dem russischen Lieferstopp zeitweise über 300 €/MWh.
Bei den Haushalten zeigt sich der Anstieg zuerst im Beschaffungsanteil. Laut BDEW-Gaspreisanalyse ↗ stieg er im Gaspreis eines Einfamilienhauses von 5,04 ct/kWh im Januar auf 6,17 ct/kWh im August 2026. Weil Versorger am Terminmarkt bis zu sechs Jahre im Voraus kaufen, folgen die Verbraucherpreise dem Börsenpreis laut Verivox erst nach Wochen bis Monaten.
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Die Speicher sind ungewöhnlich leer, einen Versorgungsengpass erwartet die Bundesnetzagentur aber nicht. Am 30.09.2026 waren die deutschen Gasspeicher zu 57,6 % gefüllt, am 02.10.2026 meldete die Behörde rund 58 % (143,5 TWh) und damit „deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre“.
Gleichzeitig stellt die Bundesnetzagentur ↗ klar: „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil.“ Dass die Füllstandsziele zum November erreicht werden, sei für die Versorgungssicherheit nicht zwingend, ein vergleichsweise niedriger Speicherstand am Ende des Winters aber wahrscheinlich. Für dich ist der niedrige Füllstand deshalb vor allem ein Preisrisiko: Verivox nennt niedrige Speicherstände neben dem Nahost-Konflikt als Grund für die hohen Großhandelspreise. Die Bundesnetzagentur rät angesichts des erhöhten Preisniveaus weiter zu einem sparsamen Umgang mit Gas.
Für ein Einfamilienhaus im Schnitt rund 12 bis 12,5 ct/kWh: Der BDEW nennt für August 2026 12,45 ct/kWh, Neukunden zahlten laut Verivox am 02.10.2026 rund 12 ct. In der Grundversorgung sind es im Bundesschnitt über 13 ct (Verivox, 20.08.2026).
| Preis | ct/kWh | Stand | Quelle |
|---|---|---|---|
| Durchschnitt Einfamilienhaus (20.000 kWh) | 12,45 | 01.08.2026 | BDEW |
| Mittel 2026 bis August | 11,93 | 24.08.2026 | BDEW |
| günstige Neukundentarife (12 Monate Preisgarantie) | rund 12 | 02.10.2026 | Verivox |
| günstige Neukundentarife vor dem Krieg | rund 8 | Anfang März 2026 | Verivox |
| Grundversorgung | über 13 | 20.08.2026 | Verivox |
Knapp die Hälfte des Preises entfällt auf Beschaffung und Vertrieb (48,1 %), rund ein Fünftel auf Netzentgelte (21,5 %) und 30,4 % auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Darin steckt der CO2-Preis mit durchschnittlich 1,14 ct/kWh netto (BDEW, 2026).
Der Heizspiegel 2026 rechnet für ein Einfamilienhaus mit 130 m² mit 1.930 € Gaskosten im Jahr 2026, 5 % weniger als 2025; seit dem 01.01.2026 entfällt unter anderem die Gasspeicherumlage. Ob es dabei bleibt, hängt davon ab, wann dein Versorger die höheren Einkaufspreise weitergibt.
Legt man die Spanne von Verivox auf den Heizspiegel-Wert, ergäben sich bei 10 bis 20 % Erhöhung 2.120 bis 2.320 € im Jahr. Das ist keine Prognose, zeigt aber die Größenordnung. Mit Wärmepumpe kostet dasselbe Haus laut Heizspiegel 1.300 € im Jahr, und Wärmepumpenstrom ist zuletzt sogar günstiger geworden: In der Heizperiode 2025/26 kostete er laut Verivox im Schnitt 25,67 ct/kWh nach 27,29 ct im Vorjahr.
2027 voraussichtlich wenig Neues: Der Gesetzentwurf der Bundesregierung hält den Korridor von 55 bis 65 € je Tonne, das sind höchstens rund 1,4 ct/kWh mit Mehrwertsteuer. Ab 2028 gilt der EU-Emissionshandel ETS2 mit Marktpreis und ohne feste Obergrenze.
Das Kabinett hat den Entwurf am 12.08.2026 beschlossen, der Bundestag hat ihn am 24.09.2026 in erster Lesung beraten, verabschiedet ist er noch nicht (Stand 02.10.2026). Bei 20.000 kWh im Jahr stecken bei 65 € je Tonne rund 280 € CO2-Kosten in deiner Gasrechnung, die Verbraucherzentrale nennt für 2026 260 bis 310 €. Als Faustregel für den ETS2 gilt: Jede 10 € mehr je Tonne verteuern Gas um rund 0,22 ct/kWh mit Mehrwertsteuer (so viel macht laut Deutscher Emissionshandelsstelle der Schritt von 55 auf 65 € aus), bei 20.000 kWh also rund 44 € im Jahr. Wie der ETS2 funktioniert und was er bei verschiedenen Preisen kostet, erklärt der Ratgeber CO2-Preis 2027 und 2028.
Weil sich die Kosten des Gasnetzes künftig auf immer weniger Kunden verteilen. Die Bundesnetzagentur erlaubt den Betreibern mit der Festlegung KANU 2.0 seit 2024, ihre Netze schneller abzuschreiben, in der Regel bis 2045, weil ein erheblicher Teil des Erdgasnetzes danach nicht mehr genutzt werden wird.
Schon 2026 sind die Netzentgelte im Gaspreis eines Einfamilienhauses laut BDEW von rund 2,33 auf 2,57 ct/kWh gestiegen. In der kommunalen Wärmeplanung legen Städte fest, wo künftig Fernwärme, Wärmepumpen oder weiter Gas vorgesehen sind; eine Pflicht für dich folgt daraus nicht. Zusätzlich muss die Bundesregierung bis zum 01.12.2026 einen Gesetzentwurf für eine Grüngasquote der Gasversorger vorlegen (§ 42a GModG). Wie sie aussieht und was sie kostet, ist offen.
Wer nach dem 29.07.2026 eine neue Gasheizung in ein bestehendes Haus einbaut, muss ab 2029 einen steigenden Anteil Biomethan oder Wasserstoff nutzen: 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035 und 60 % ab 2040 (§ 43 GModG ↗). Für bestehende Gasheizungen gilt die Bio-Treppe nicht.
Was Biomethan 2029 oder 2035 kostet, kann heute niemand seriös beziffern. Der Lieferant bestätigt die Anteile mit der Abrechnung, wer die Pflicht nicht erfüllt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 5.000 €. Vermieter tragen bei solchen Heizungen ab 2028 zudem die Hälfte der CO2-Kosten und Gasnetzentgelte, ab 2029 auch die Hälfte der Kosten für die Pflicht-Biobrennstoffe. Ob eine neue Gasheizung trotzdem passt, beantwortet der Ratgeber Gasheizung einbauen, Stufen und Ausnahmen erklärt Bio-Treppe.
Ja, wenn du in der Grundversorgung bist, dein Versorger erhöht oder dein Arbeitspreis über dem Neukundenniveau liegt. Mit einer Preisgarantie über 12 bis 24 Monate frierst du den Preis für diesen Winter ein, manche Versorger sichern dir die heutigen Konditionen sogar bis zu 12 Monate im Voraus (Verivox).
Eine Preisgarantie verschiebt das Problem allerdings nur: Nach 12 oder 24 Monaten gilt der dann aktuelle Marktpreis, und ab 2028 kommt der ETS2 dazu.
Wenn deine Gasheizung mindestens 20 Jahre alt ist oder ohnehin ersetzt werden muss, holt die Wärmepumpe den Aufpreis gegenüber einer neuen Gasheizung im Beispielhaus nach 5 bis 7 Jahren herein. Mit Einkommensbonus ist sie fast ohne Aufpreis zu haben.
Das Rechenbeispiel entspricht unserem Wärmepumpen-Rechner: Einfamilienhaus mit 140 m², Baujahr 1970 bis 1990, teilweise gedämmt, 18.480 kWh Wärmebedarf. Die alte Gasheizung braucht bei 85 % Nutzungsgrad rund 21.740 kWh Gas zu 12,45 ct (BDEW, August 2026) und kostet 2.707 € im Jahr. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,4 braucht 5.435 kWh Strom zu 25 ct und kostet 1.359 €. Ersparnis: 1.348 € pro Jahr. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet im Schnitt 36.400 € (Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Juli 2026), eine neue Gasheizung 16.000 € (Verbraucherzentrale, Stand Juni 2026).
| Förderung (KfW 458) | Eigenanteil Wärmepumpe | Aufpreis gegenüber neuer Gasheizung | Aufpreis zurück nach |
|---|---|---|---|
| 46 % (30 % Grundförderung + 16 % Klimabonus) | 23.520 € | 7.520 € | 5–7 Jahren |
| 70 % (mit 30 % Einkommensbonus) | 16.800 € | rund 800 € | unter 1 Jahr |
| 80 % (mit 40 % Einkommensbonus) | 14.000 € | keiner, 2.000 € günstiger | sofort |
Den Klimabonus von 16 % bekommen Selbstnutzer für Gasheizungen, die vor mindestens 20 Jahren in Betrieb gingen, und für Gasetagenheizungen ohne Altersgrenze. Wer den Einkommensbonus erhält, zahlt kaum mehr als für eine neue Gasheizung. Steigt der Gaspreis um 15 %, wächst die Ersparnis auf rund 1.750 € im Jahr und der Aufpreis ist nach gut vier Jahren drin. Läuft deine alte Gasheizung noch und rechnest du die gesamte Investition von 23.520 €, sind es 15 bis 21 Jahre; jede Preissteigerung bei Gas, CO2 und Netzentgelten verkürzt das.
Förderfrist nutzen: Bei Antrag bis 31.01.2027 gibt es im Standardfall 12.880 €, ab dem 01.02.2027 nur noch 11.445 €. Alle Bedingungen findest du auf unserer Förderseite, den ausführlichen Vergleich im Ratgeber Gasheizung oder Wärmepumpe. Weil Angebote für vergleichbare Anlagen laut Verbraucherzentrale um bis zu 250 % auseinanderliegen (24.09.2026), lohnt es sich, kostenlose Angebote von Fachbetrieben aus deiner Region zu vergleichen.
Häufige Fragen
Spätestens einen Monat vor der Änderung, so steht es für Haushaltskunden in § 41 Abs. 5 EnWG. Du kannst den Vertrag dann ohne Kündigungsfrist zum Termin der Preiserhöhung kündigen. Vergleiche vorher die Neukundentarife, die am 02.10.2026 laut Verivox bei rund 12 ct/kWh lagen.
Das hängt vom Marktpreis ab, den heute niemand kennt. Je 10 € pro Tonne CO2 steigt der Gaspreis um rund 0,22 ct/kWh, bei 20.000 kWh um rund 44 € im Jahr. Bei 100 € je Tonne läge der CO2-Anteil bei rund 2,2 ct/kWh statt 1,4 ct heute, das wären rund 150 € mehr im Jahr.
Nein, seit dem 29.07.2026 gibt es keine Austauschpflicht mehr, auch nicht für Kessel, die älter als 30 Jahre sind. Ist deine Gasheizung mindestens 20 Jahre alt, bekommst du beim Wechsel zur Wärmepumpe aber 16 % Klimabonus zusätzlich zur Grundförderung. Bei Antrag bis zum 31.01.2027 sind das im Standardfall 12.880 €, danach sinkt der Bonus halbjährlich.
Laut Heizspiegel 2026 rund 1.930 € im Jahr für ein Einfamilienhaus mit 130 m², also gut 160 € im Monat. Eine 70-m²-Wohnung kommt auf 1.120 € im Jahr oder rund 93 € im Monat. Mit Wärmepumpe sind es 1.300 € bzw. 735 € im Jahr.
Laut BDEW im Schnitt 1,14 ct/kWh netto im Jahr 2026, bei 20.000 kWh also rund 230 € netto oder rund 270 € mit Mehrwertsteuer. Dein Lieferant muss die Brennstoffemissionen und den CO2-Kostenanteil auf der Rechnung ausweisen (§ 3 CO2KostAufG).
Im Großhandel könnte er dann nachgeben, sicher ist das nicht. Vor dem Krieg lag der TTF bei rund 30 €/MWh, Anfang Juli bei gut 40 € und am 09.09.2026 über 80 €. Bei Haushalten kommen Senkungen wie Erhöhungen erst verzögert an, und CO2-Preis, Netzentgelte und ab 2028 der ETS2 wirken unabhängig vom Krieg.